{"id":4290,"date":"2025-07-04T10:45:06","date_gmt":"2025-07-04T09:45:06","guid":{"rendered":"https:\/\/www.lagota.ch\/?p=4290"},"modified":"2025-07-04T10:45:06","modified_gmt":"2025-07-04T09:45:06","slug":"stinkefinger-fur-orban","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lagota.ch\/?p=4290","title":{"rendered":"Stinkefinger f\u00fcr Orb\u00e1n"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Trotz Einsch\u00fcchterungen der Regierung hat die diesj\u00e4hrige Pride in der ungarischen Hauptstadt Budapest eine Rekordzahl an Menschen angezogen. Sie richtete sich nicht nur gegen die Diskriminierung der LGBT-Minderheit, sondern auch gegen den autorit\u00e4ren Kurs von Ministerpr\u00e4sident Viktor Orb\u00e1n.<\/strong><br><br><strong>Budapest.<\/strong> Es war abzusehen, dass die diesj\u00e4hrige Budapest Pride gr\u00f6\u00dfer ausfallen w\u00fcrde als in den vergangenen 29 Jahren ihres Bestehens. Die Veranstalter hatten mit der doppelten Anzahl der sonst \u00fcblichen 35.000 Teilnehmenden gerechnet.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"https:\/\/www.lagota.ch\/wp-content\/uploads\/Budapest_Pride.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"https:\/\/www.lagota.ch\/wp-content\/uploads\/Budapest_Pride-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4291\" srcset=\"https:\/\/www.lagota.ch\/wp-content\/uploads\/Budapest_Pride-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/www.lagota.ch\/wp-content\/uploads\/Budapest_Pride-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.lagota.ch\/wp-content\/uploads\/Budapest_Pride-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.lagota.ch\/wp-content\/uploads\/Budapest_Pride.jpg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>Die Realit\u00e4t \u00fcbertraf diese Annahme bei weitem. Sch\u00e4tzungen zufolge nahmen am vergangenen Samstag etwa 200.000 Menschen teil, womit die diesj\u00e4hrige Pride die wahrscheinlich gr\u00f6\u00dfte Demonstration in der Geschichte des Landes seit 1989 gewesen sein d\u00fcrfte. Vorschnell hatte der ungarische Ministerpr\u00e4sident Viktor Orb\u00e1n in seiner Rede zur Lage der Nation im Februar den Organisatoren der Pride noch geraten, \u00bbsich keine M\u00fche zu machen, die diesj\u00e4hrige Parade vorzubereiten. Es ist nur Geld- und Zeitverschwendung.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>\u00bbDie Pride war nie von Interesse f\u00fcr uns, das ist nicht unsere Welt. Das Vorgehen von Viktor und seinen Mitstreitern \u00fcberschreitet jedoch klar eine Grenze.\u00ab\u2002<em>Ein Ehepaar auf der Pride<\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Der vehement betriebene Kulturkampf gegen LGBT-Rechte dient Orb\u00e1n nicht zuletzt auch dazu, von anderen Problemen wie der desolaten Wirtschaft, der hohen Inflation, der Korruption oder dem Kollaps des Gesundheitswesens abzulenken. Zudem hoffte Orb\u00e1n, durch diesen Kulturkampf die Opposition zu spalten. H\u00e4tte sein gef\u00e4hrlichster Herausforderer, P\u00e9ter Magyar, sich an die Seite der LGBT-Gemeinde gestellt, h\u00e4tte er dadurch konservative W\u00e4hler verschrecken k\u00f6nnen. Wohl deshalb hielt Magyar sich bedeckt. Verschiedenen Umfragen zufolge liegt seine Partei Tisza in der W\u00e4hlergunst elf bis 18&nbsp;Prozentpunkte vor Orb\u00e1ns Fidesz.<\/p>\n\n\n\n<p>Schon Mitte M\u00e4rz hat das <a href=\"https:\/\/jungle.world\/artikel\/2025\/13\/ungarn-verbot-der-budapester-pride\">Parlament in Windeseile eine Gesetzes\u00e4nderung durchgewinkt, die Kundgebungen untersagt, die \u00bbAbweichungen vom Geburtsgeschlecht, Geschlechtsumwandlung oder Homosexualit\u00e4t f\u00f6rdern oder zur Schau stellen\u00ab<\/a>. Darauf reagierte Gergely Kar\u00e1csony, der liberal-gr\u00fcne Oberb\u00fcrgermeister der Hauptstadt, prompt. \u00bbEs wird eine Pride in Budapest geben\u00ab, versprach er und erkl\u00e4rte die Demonstration unter dem Namen \u00bbBudapest Pride\u00ab zu einer st\u00e4dtischen Veranstaltung, die Freiheit und Gleichberechtigung feiere. Als solche erfordere sie keine Genehmigung durch die Polizei.<\/p>\n\n\n\n<p>Justizminister Bence Tuzson widersprach Kar\u00e1csonys Sichtweise. Er drohte ihm und weiteren Organisatoren sogar eine einj\u00e4hrige Haftstrafe an. Der B\u00fcrgermeister reagierte gelassen, er nannte den Einsch\u00fcchterungsversuch Tuzsons \u00bbwitzig\u00ab und empfahl dem Minister, die Gesetzeslage eingehend zu studieren.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Es geht um die Freiheit<\/h3>\n\n\n\n<p>Auch das angek\u00fcndigte Bu\u00dfgeld von 500&nbsp;Euro f\u00fcr Teilnehmer&nbsp;\u2013 gut die H\u00e4lfte eines durchschnittlichen monatlichen Nettoeinkommens in Ungarn&nbsp;\u2013 erzielte nicht die gew\u00fcnschte abschreckende Wirkung, sondern provozierte im Gegenteil landes- bis europaweite Solidarit\u00e4t. Etwa 70 Abgeordnete des EU-Parlaments und zwei Dutzend B\u00fcrgermeister verschiedener europ\u00e4ischer St\u00e4dte nahmen teil.<\/p>\n\n\n\n<p>Die diesj\u00e4hrige Pride war viel mehr als die \u00fcbliche regenbogenfarbige Party von Angeh\u00f6rigen und Unterst\u00fctzern der LGBT-Szene. Ein \u00e4lteres Ehepaar, das namentlich nicht genannt werden will, brachte die Meinung vieler zum Ausdruck: \u00bbDie Pride war nie von Interesse f\u00fcr uns, das ist nicht unsere Welt. Das Vorgehen von Viktor und seinen Mitstreitern \u00fcberschreitet jedoch klar eine Grenze.\u00ab Und sie f\u00fcgten hinzu: \u00bbEs geht hier nicht nur um die Rechte der LGBT-Menschen, sondern auch um unser aller Freiheit.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Kurz vor der Pride hatte Orb\u00e1n die Drohrhetorik etwas gem\u00e4\u00dfigt. In seinem w\u00f6chentlichen Interview im Staatsradio tat er kund, dass die Polizei nicht eingreifen werde. Selbstverst\u00e4ndlich bestehe die M\u00f6glichkeit, die illegale Veranstaltung aufzul\u00f6sen, aber Ungarn sei ein zivilisiertes Land und man werde sich gegenseitig nichts antun.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">\u00bbZum europ\u00e4ischen K\u00f6nig der Pride gekr\u00f6nt\u00ab<\/h3>\n\n\n\n<p>Ein paar rechtsextreme Gruppierungen sahen das anders. Sie versuchten sich an einer Blockade der geplanten Route, doch die Polizei riegelte die Blockierer ab und leitete den Demonstrationszug kurzfristig um. Die Handvoll Gegendemons\u00adtranten konnte den ausgelassen Feiernden nur noch von der Seitenlinie aus ver\u00e4rgert zuschauen.<\/p>\n\n\n\n<p>Kar\u00e1csony stellte in seiner Rede auf der Pride zufrieden fest: \u00bbIhr seht nicht gerade so aus, als ob man euch verboten h\u00e4tte\u00ab, und forderte das Publikum auf, der Regierung den Stinkefinger zu zeigen.<\/p>\n\n\n\n<p>Oppositionsf\u00fchrer Magyar schrieb auf Facebook: \u00bbGestern wurde Viktor Orb\u00e1n zum europ\u00e4ischen K\u00f6nig der Pride gekr\u00f6nt, denn niemandem sonst ist es gelungen, durch Hassreden und Aufwiegelung eine so gro\u00dfe Menschenmenge gegen sich zu mobilisieren, die zu einer Demonstration zusammenkommt.\u00ab<br><br>Quelle: <a href=\"https:\/\/jungle.world\/artikel\/2025\/27\/budapeste-pride-stinkefinger-fuer-orban\">https:\/\/jungle.world\/artikel\/2025\/27\/budapeste-pride-stinkefinger-fuer-orban<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Trotz Einsch\u00fcchterungen der Regierung hat die diesj\u00e4hrige Pride in der ungarischen Hauptstadt Budapest eine Rekordzahl an Menschen angezogen. 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