{"id":497,"date":"2011-02-23T16:45:26","date_gmt":"2011-02-23T14:45:26","guid":{"rendered":"http:\/\/www.lagota.ch\/?p=497"},"modified":"2011-02-23T16:45:26","modified_gmt":"2011-02-23T14:45:26","slug":"libyens-diktator-gaddafi-drei-saulen-geschleift","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lagota.ch\/?p=497","title":{"rendered":"Libyens Diktator Gaddafi: Drei S\u00e4ulen geschleift"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.lagota.ch\/wp-content\/uploads\/tobruk.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-medium wp-image-498\" title=\"tobruk\" src=\"https:\/\/www.lagota.ch\/wp-content\/uploads\/tobruk-300x150.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"150\" srcset=\"https:\/\/www.lagota.ch\/wp-content\/uploads\/tobruk-300x150.jpg 300w, https:\/\/www.lagota.ch\/wp-content\/uploads\/tobruk.jpg 684w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>Quelle: <a href=\"http:\/\/www.taz.de\/1\/politik\/afrika\/artikel\/1\/drei-saeulen-geschleift\/\" target=\"_blank\">http:\/\/www.taz.de\/1\/politik\/afrika\/artikel\/1\/drei-saeulen-geschleift\/<\/a><\/p>\n<p>Das libysche Regime ist eines der repressivsten der Welt. Die Tatsache, dass der selbsternannte Revolutionsf\u00fchrer Muammar al-Gaddafi seit 42 Jahren an der Macht ist, h\u00e4ngt auch damit zusammen, dass er bei einem von ihm angef\u00fchrten Putsch &#8220;Freier Offiziere&#8221; 1969 gleich drei tragende Pfeiler von Politik und Gesellschaft in ihrer Macht beschnitt: die Armee, die St\u00e4mme und das religi\u00f6se Establishment.<\/p>\n<p>Hinsichtlich der Streitkr\u00e4fte gibt es einen wesentlichen Unterschied zu \u00c4gypten. In dem Land am Nil war das Milit\u00e4r seit 1952 der zentrale Machtfaktor. In Libyen hingegen sorgte Gaddafi in den ersten beiden Jahrzehnten seiner Herrschaft f\u00fcr eine Schw\u00e4chung der Armee &#8211; eingedenk der Tatsache, dass die meisten Regime in der Region durch einen Milit\u00e4rputsch gest\u00fcrzt wurden. Auch in Libyen gab es die meisten Umsturzversuche aus den Reihen des Milit\u00e4rs.<\/p>\n<p>Gaddafis Ank\u00fcndigung damals, die Streitkr\u00e4fte perspektivisch durch eine &#8220;Volksarmee&#8221; zu ersetzen, sorgte f\u00fcr Unruhen in deren R\u00e4ngen, ebenso die Tatsache, dass die Macht der Revolutionskomitees auf Kosten der Armee ausgebaut wurde und, \u00e4hnlich wie im Iran, eine parallele bewaffnete Struktur entstand. Gaddafi sorgte f\u00fcr eine schnelle Rotation unter den Kommandeuren oder zwang sie in den Ruhestand. Insofern sind Berichte aus Bengasi \u00fcber Armeeeinheiten, die sich den Aufst\u00e4ndischen anschlie\u00dfen, nicht \u00fcberraschend.<\/p>\n<p>Etwas differenzierter stellt sich die Lage bei den St\u00e4mmen dar, die von der Regentschaft K\u00f6nig Idris (1951-1969) profitiert hatten und das R\u00fcckgrat der libyschen Gesellschaft bilden. Wie viele &#8211; sich als revolution\u00e4r und modern verstehende &#8211; F\u00fchrer sagte auch Gaddafi, der Beduinensohn, dem Tribalismus den Kampf an, entzog den St\u00e4mmen ihre administrativen Rechte, wechselte die F\u00fchrungsschicht aus und erkannte die Grenzen ihrer Gebiete nicht mehr an.<\/p>\n<p>Doch Tribalismus und St\u00e4mme waren f\u00fcr Gaddafi auch in jenem ersten Jahrzehnt seiner Herrschaft zweierlei. Familie, Stamm und Nation stellen die Basis der Gesellschaft, zusammengeschwei\u00dft durch menschliche W\u00e4rme, Gruppenzusammenhalt, Einheit, Liebe. In sp\u00e4teren Schriften Gaddafis erscheint das traditionelle Leben auf dem Land in strahlendstem Licht. Selbst die strikte soziale Kontrolle und harte Arbeit sind ein durchaus positiv &#8211; und naiv &#8211; bewerteter Teil eines &#8220;ruhigen und gl\u00fccklichen Lebens&#8221; in Freiheit.<\/p>\n<p>So ist es wenig verwunderlich, dass Gaddafi Anfang der 90er Jahre das Ruder herumriss, um seine Basis zu st\u00e4rken, und den St\u00e4mmen wieder mehr Rechte einr\u00e4umte. Seither sind die wichtigsten St\u00e4mme auch in den Streitkr\u00e4ften repr\u00e4sentiert. Dies st\u00e4rkte angesichts der Rivalit\u00e4ten der St\u00e4mme untereinander zugleich seine Kontrolle \u00fcber das Milit\u00e4r. Heute stellt sich allerdings die Frage, welche Rolle die Stammeszugeh\u00f6rigkeit in den St\u00e4dten spielt, wenn es darum geht, sich f\u00fcr oder gegen Gaddafi zu positionieren.<\/p>\n<p>Das religi\u00f6se Establishment schlie\u00dflich zeigte sich nach der Macht\u00fcbernahme zun\u00e4chst erfreut, dass der Revolutionsf\u00fchrer die Scharia einf\u00fchrte. Doch das w\u00e4hrte nicht lange, denn Gaddafi forderte die Ulema, die islamischen Gelehrten, heraus, indem er ihre Rolle als Interpreten des Koran infrage stellte. Gaddafis Interpretation des Islam sieht n\u00e4mlich nicht die Notwendigkeit einer Vermittlung zwischen Gott und den Menschen vor. Er \u00e4nderte den muslimischen Kalender, was ebenso auf Kritik stie\u00df wie die Tatsache, dass sich Gaddafis &#8220;Dritte Universaltheorie&#8221; nicht nur an die muslimischen L\u00e4nder, sondern sich an die Dritte Welt insgesamt richtete.<\/p>\n<p>Diese Woche erkl\u00e4rte ein B\u00fcndnis von 50 Geistlichen, es sei die Pflicht aller Muslime, gegen die libysche F\u00fchrung aufzubegehren, und forderte die Freilassung der festgenommenen Demonstranten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das libysche Regime ist eines der repressivsten der Welt. 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