{"id":544,"date":"2011-03-09T13:51:03","date_gmt":"2011-03-09T11:51:03","guid":{"rendered":"http:\/\/www.lagota.ch\/?p=544"},"modified":"2011-03-09T13:51:03","modified_gmt":"2011-03-09T11:51:03","slug":"erste-betrachtungen-zur-situation-in-libyen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lagota.ch\/?p=544","title":{"rendered":"Erste Betrachtungen zur Situation in Libyen"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.lagota.ch\/wp-content\/uploads\/libyen_1163165.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-medium wp-image-545\" title=\"libyen_1163165\" src=\"https:\/\/www.lagota.ch\/wp-content\/uploads\/libyen_1163165-300x216.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"216\" srcset=\"https:\/\/www.lagota.ch\/wp-content\/uploads\/libyen_1163165-300x216.jpg 300w, https:\/\/www.lagota.ch\/wp-content\/uploads\/libyen_1163165.jpg 500w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>Quelle: <a href=\"http:\/\/gis.blogsport.de\/2011\/03\/07\/erste-betrachtungen-zu-situation-in-libyen\/\" target=\"_blank\">http:\/\/gis.blogsport.de\/2011\/03\/07\/erste-betrachtungen-zu-situation-in-libyen\/<\/a><\/p>\n<p>Es ist noch zu fr\u00fch um eine endg\u00fcltige Bewertung der Ereignisse in Libyen vorzunehmen, da die Situation sehr un\u00fcbersichtlich ist und wir uns \u00fcber nichts sicher sein k\u00f6nnen. Die Tage des Obersten scheinen gez\u00e4hlt, dennoch setzt er seinen erbitterten Widerstand fort, obwohl die internationale kapitalistische Gemeinschaft alle politischen (Internationaler Strafgerichtshof) und \u00f6konomischen Waffen (Embargo, Wirtschaftssanktion, Einfrieren von Auslandsverm\u00f6gen) ins Spiel bringt.<\/p>\n<p>Vor diesem Hintergrund k\u00f6nnen wir gegenw\u00e4rtig nur einige Betrachtungen anstellen.<br \/>\nDie Revolte in Benghazi und anderen St\u00e4dten in Cyrenica als auch in kleineren St\u00e4dten s\u00fcdlich von Tripolis haben das angespannte Verh\u00e4ltnis zwischen Gaddafi und seinem Stamm und anderen libyschen St\u00e4mmen, die sich \u00fcber 40 Jahre der Diktatur des Obersten unterordnen mussten, zerbrochen. Davon zeugt auch die Forderung nach Unabh\u00e4ngigkeit die von der Stammesbourgeoisie von Cyrenica und Fezzan erhoben wurde, die niemals wirklich befriedet werden konnte.<\/p>\n<p>Sie sind versessen darauf die \u00d6l-Einnahmen eigenst\u00e4ndig zu kontrollieren, was bis vor wenigen Wochen das Vorrecht des \u201egr\u00fcnen&#8221; Diktators war. Es ist kein Zufall, dass die Revolte im Osten des Landes ausgebrochen ist, wo sich schon eine provisorische Regierung bildete, die die Aufgabe hat, die Kontrolle der \u00d6lfelder und ihre Nutzung und Ausbeutung durch internationale Firmen zu sichern. Die vorherige Stabilit\u00e4t basierte vorrangig auf Gewalt. Gaddafi und seine S\u00f6hne hatten die uneingeschr\u00e4nkte Kontrolle \u00fcber die Armee, die Polizei und die Luftwaffe. Sie kontrollierten aber auch die \u00d6lquellen und das Management der nationalen \u00d6l- und Gasunternehmen. Aus diesen \u00d6leinnahmen gaben sie Gelder an verb\u00fcndete und untergebene Stammesf\u00fchrer ab, je nachdem ob diese politisch n\u00fctzlich oder aber zu einer potentiellen Gefahr f\u00fcr die Herrschaft der \u201eRais&#8221; werden konnten. Diese Arrangements sind nun aufgehoben.<br \/>\nDie gr\u00f6\u00dferen St\u00e4mme wie die Warfalla, die das Gebiet s\u00fcdlich von Tripolis kontrollieren, haben sich bereits fr\u00fcher aufgelehnt. 1993 inmitten des internationalen Embargos nach der Lockerbie-Aff\u00e4re unternahmen sie den Versuch eines Staatsstreichs. Dieser wurde von Gaddafi brutal niedergeschlagen. Dutzende wurden \u00f6ffentlich von Erschie\u00dfungskommandos exekutiert und \u00fcber 200 ins Gef\u00e4ngnis geworfen. Die Zuwayya die im Gebiet zwischen Tripolis und Begnhazi leben, die Misurata und die Abu Llail, die das Gebiet der \u00d6lpipelines im Osten von Cyrenica kontrollieren, ergriffen die Initiative um an der Spitze der \u00f6ffentlichen Proteste dem \u00fcber 40 Jahre w\u00e4hrenden Spiel ein Ende zu setzen. Alle gr\u00f6\u00dferen St\u00e4mme verf\u00fcgen nun \u00fcber Milizen und kleinere Vorr\u00e4te an leichten Waffen aus Kasernen und Armeedepots, die sie zu Beginn der Revolte angegriffen hatten. Gegenw\u00e4rtig scheint die libysche Krise das Ausma\u00df eines B\u00fcrgerkrieges zwischen St\u00e4mmen oder vielmehr b\u00fcrgerlichen Fraktionen anzunehmen, die um die \u00f6konomische und politische Kontrolle eines Landes k\u00e4mpfen, welches nach Nigeria der zweite Erd\u00f6lexporteur Afrikas ist, und diesbez\u00fcglich weltweit an zw\u00f6lfter Stelle steht.<\/p>\n<p>Die zweite Betrachtung betrifft die M\u00f6glichkeit eines Bruchs des gegenw\u00e4rtigen Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnisses im energiereichen Mittleren Osten und den daraus folgenden Konsequenzen. Es kommt nicht von ungef\u00e4hr dass drei Flugzeugtr\u00e4ger der USA auf dem Weg zum Golf von Sirte sind, und der britische Premier Cameron ebenso die Verlegung von Schiffen angeordnet hat. Der britische und amerikanische Imperialismus macht sich nicht nur \u00fcber die Zukunft der libyschen \u00d6l- und Gasvorkommen Sorgen. Diese sind wichtig, aber in der internationalen Energieverteilung nicht entscheidend. Was ihnen wirklich ernsthaft Sorge bereitet ist eine Ausdehnung der Krise auf die ganze arabische Halbinsel.<\/p>\n<p>Der Wind der Revolte durchbl\u00e4st Jemen, Oman und Bahrain in gef\u00e4hrlicher N\u00e4he zu Saudi-Arabien, dem gr\u00f6\u00dften \u00d6llieferanten der USA. Wenn Riad vom Sturm ergriffen w\u00fcrde, k\u00f6nnte dies zu einer Situation f\u00fchren, der nicht mehr einfach nur durch milit\u00e4rische Man\u00f6ver, psychologische Abschreckung und politischen Druck beizukommen w\u00e4re. Wenn es um die \u00d6llieferungen des Nahen Ostens geht h\u00f6rt jeder Spa\u00df auf. Der US-Imperialismus hat bereits zwei noch l\u00e4ngst nicht beendete Kriege angezettelt und f\u00fchrt einen energischen Kampf um den Handel und Transport des schwarzen Goldes von Zentralasien zu den K\u00fcsten des Mittelmeers zu sichern. In Anbetracht einer kritischen Situation in den H\u00e4fen Arabiens wird er nicht z\u00f6gern seine milit\u00e4rische Macht weiter ausspielen. Vorl\u00e4ufig haben sich die USA darauf verlegt abzuwarten. Aber auch China, das gegenw\u00e4rtig in Niger, Nigeria, im Sudan und im Tschad sehr pr\u00e4sent ist, wird nicht einfach nur zusehen. Gleichzeitig sind Hunderttausende Opfer der Machtk\u00e4mpfe der rivalisierenden Fraktionen der Herrschenden und des internationalen Spiels der Imperialisten auf der Flucht.<\/p>\n<p>F\u00fcr die libysche ArbeiterInnenklasse gibt es keine M\u00f6glichkeit zur Befreiung, wenn sie sich weiterhin vom Tribalismus absorbieren l\u00e4sst und den opportunistischen Losungen der b\u00fcrgerlichen Opposition nach \u201eFreiheit&#8221; und \u201eDemokratie&#8221; auf den Leim geht. Diese \u201eFreiheit&#8221; und \u201eDemokratie&#8221; wird nur eine neuere, effektivere politische und ideologische Basis f\u00fcr die fortgesetzte Ausbeutung und Unterdr\u00fcckung sein. Sowohl die Stammesfehden und b\u00fcrgerlichen Machtk\u00e4mpfe als auch die destruktive Dynamik eines immer gierigeren Imperialismus haben eine tiefere Wurzel. Der wirkliche Grund der Krise liegt im \u00f6konomischen System, welches weiterhin unter dem Namen Kapitalismus sein Unwesen treibt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es ist noch zu fr\u00fch um eine endg\u00fcltige Bewertung der Ereignisse in Libyen vorzunehmen, da die Situation sehr un\u00fcbersichtlich ist und wir uns \u00fcber nichts sicher sein k\u00f6nnen. 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