{"id":595,"date":"2011-04-06T14:06:18","date_gmt":"2011-04-06T12:06:18","guid":{"rendered":"http:\/\/www.lagota.ch\/?p=595"},"modified":"2011-04-06T14:07:36","modified_gmt":"2011-04-06T12:07:36","slug":"was-geht-in-cote-d%e2%80%99ivoire-vor-sich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lagota.ch\/?p=595","title":{"rendered":"Was geht in Cote d\u2019Ivoire vor sich?"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.lagota.ch\/wp-content\/uploads\/cote_d_ivoire_small_map.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-596\" title=\"cote_d_ivoire_small_map\" src=\"https:\/\/www.lagota.ch\/wp-content\/uploads\/cote_d_ivoire_small_map.jpg\" alt=\"\" width=\"234\" height=\"251\" \/><\/a>via: <a href=\"http:\/\/www.linkezeitung.de\" target=\"_blank\">http:\/\/www.linkezeitung.de<\/a><\/p>\n<p><strong>Nach den j\u00fcngsten Pr\u00e4sidentschaftswahlen hatten sowohl der Amtsinhaber Laurent Gbagbo als auch Oppositionschef Ouattara den Sieg beansprucht und sich bereits vereidigen lassen.<\/strong><\/p>\n<p>Die westlichen Industriestaaten bestehen auf einem R\u00fcckzug Gbagbos, der auf antikoloniale Stimmungen in der Bev\u00f6lkerung bauen kann und deswegen in der EU und den USA als unzuverl\u00e4ssiger Partner eingestuft wird.<\/p>\n<p>Ouattara hingegen ist als ehemaliger IWF-Vizedirektor selbstverst\u00e4ndlich ein Pr\u00e4sidentschaftskandidat des Westens!<\/p>\n<p>Er arbeitete er viele Jahre zwischen 1968 und 1990 und von 1994 bis 1999 beim Internationalen W\u00e4hrungsfonds (IWF). In den 1980er Jahren leitete er dessen Afrika-Abteilung und war damit an exponierter Stelle an der Durchsetzung der damaligen Strukturanpassungsprogramme beteiligt, die im Ergebnis die soziale Infrastruktur der betroffenen L\u00e4nder zugrunde richteten, weil diese die Einfuhr von Lebensmitteln aus der EU (meist in diesen L\u00e4ndern \u00fcbersch\u00fcssiger Produkte!) gestatteten und damit (wie \u00fcbrigens damals auch in Ruanda!!) die einheimische Landwirtschaft zu zerst\u00f6ren drohen.<\/p>\n<p>Zwischen 1994 und 1999 amtierte Ouattara beim IWF sogar als Vizedirektor. Mit seiner Biographie empfiehlt sich Ouattara quasi als Kandidat, von dem sich westliche Unternehmen mit Recht die Durchsetzung der Verwertungsinteressen des internationalen Monopolkapitals erhoffen.<\/p>\n<p>Dabei wurden unter Gbagbo auch schon politische Vorkehrungen getroffen, die dem Westen entgegen kamen. So schloss Ende 2008 C\u00f4te d&#8217;Ivoire als erstes Land Afrikas ein Interimsabkommen mit der EU, das den inl\u00e4ndischen Markt f\u00fcr ausw\u00e4rtige Importe \u00f6ffnete und vier F\u00fcnftel der Einfuhren aus der EU beg\u00fcnstigte. Der im Land benutzte westafrikanische CFA-Franc ist dabei mit festem Wechselkurs an den Euro gebunden. Das Land investierte in bedeutende Infrastrukturprojekte wie geplante Neubau- und Sanierungsma\u00dfnahmen in H\u00e4fen und Flugh\u00e4fen, bei Stra\u00dfen und Kommunikationsnetzen, bei denen die EU gro\u00dfe Gewinne t\u00e4tigen konnte.<\/p>\n<p>Seit 2005 wird in Cote d\u2019Ivoire auch Erd\u00f6l gef\u00f6rdert. So haben im Oktober 2010 die franz\u00f6sische Total und Yam&#8217;s Petroleum LLC einen Vertrag \u00fcber die Ausbeutung eines \u00d6lfeldes geschlossen, in dem bis zu 1,5 Milliarden Barrel \u00d6l vermutet werden. Das ist auch der Hauptgrund daf\u00fcr, dass die EU und USA darauf achten, den pro-westlichen Politiker Ouattara in Abidjan an die Regierung zu bringen. Gbagbo gilt ihnen als zu unsicher, zumal er vor kurzem sogar den R\u00fcckzug der UNO-Truppen aus dem Land (die viele Menschen dort schon lange als verl\u00e4ngerten Arm der USA betrachten!) gefordert hatte.<\/p>\n<p>Ouattara, der seine Bereitschaft, die Interessen der Industriestaaten zu bedienen, w\u00e4hrend seiner T\u00e4tigkeit beim IWF ausf\u00fchrlich unter Beweis gestellt hatte, ist deshalb der dem Westen genehmere Pr\u00e4sident. Insbesondere verf\u00fcgt er \u00fcber beste Beziehungen zur ehemaligen Kolonialmacht Frankreich, die nach wie vor mit 40 Prozent den gr\u00f6\u00dften Anteil des ausl\u00e4ndischen Kapitals in C\u00f4te d&#8217;Ivoire stellt.<\/p>\n<p>Trotz aller Unklarheiten \u00fcber den wirklichen Wahlausgang in C\u00f4te d&#8217;Ivoire hat die deutsche Regierung ebensowenig wie die EU und die UNO gez\u00f6gert, Ouattara als Wahlsieger anzuerkennen.<\/p>\n<p>Da Deutschland jedoch seinen Einfluss in diesem Lande ausdehnen will, unterst\u00fctzt es zwar die Sanktionen der EU gegen Gbagbo, die das Einfrieren seiner europ\u00e4ischen Konten und ein Einreiseverbot gegen ihn und seine wichtigsten Mitarbeiter vorsieht, aber es pl\u00e4diert mittlerweile f\u00fcr eine &#8220;landesinterne L\u00f6sung&#8221;, bei der &#8220;das Milit\u00e4r eine Schl\u00fcsselstellung&#8221; einnehmen solle. \u201eFremde Truppen wie die UN-Blauhelme&#8221; m\u00fcssten dabei &#8220;ihre Unparteilichkeit bewahren&#8221;, weil sie andernfalls als &#8220;Besatzungstruppen angesehen&#8221; w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Der Leiter der Au\u00dfenstelle der Friedrich-Ebert-Stiftung, Jens Hettmann in C\u00f4te d&#8217;Ivoire, erkl\u00e4rte mittlerweile die vorbehaltlose Anerkennung Ouattaras durch die UNO f\u00fcr &#8220;schwer nachvollziehbar&#8221;.<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich war es Berlin w\u00e4hrend Gbagbos Amtszeit gelungen, seinen bislang eher schwachen Einfluss in C\u00f4te d&#8217;Ivoire auszuweiten. Die Deutsche Gesellschaft f\u00fcr Internationale Zusammenarbeit (vormals GTZ) besch\u00e4ftigt sich seit mehreren Jahren mit einem Projekt zur F\u00f6rderung der Privatwirtschaft in C\u00f4te d&#8217;Ivoire, das deutschen Unternehmen den Zugriff auf die dortige landwirtschaftliche Produktion erleichtern soll. Dar\u00fcber hinaus betreibt sie im Auftrag des Ausw\u00e4rtigen Amts ein Projekt zur St\u00e4rkung der Funktionsf\u00e4higkeit der Polizei. Ein Machtwechsel hin zu einem allzu eng an Paris angebundenen Pr\u00e4sidenten, ohne ein Gegengewicht wie etwa durch das Milit\u00e4r, w\u00fcrde den Bem\u00fchungen Berlins um die Ausweitung seines politischen und \u00f6konomischen Einflusses zuwider laufen.<\/p>\n<p>Ouattara selbst und seine Parteigenossen, allesamt westorientierte Politiker, hatten bei den Wahlen in den von ihnen dominierten Teilen des Landes keine Wahlbeobachter zugelassen.<\/p>\n<p>Die Menschen in Cote d\u2019Ivoire f\u00fchlen sich deshalb um ihren Wahlsieg betrogen, und weil sie keine dem Westen h\u00f6rige Politiker an der Spitze ihres Landes dulden wollen.<\/p>\n<p>Es kam im Lande deshalb zu gewaltsamen Auseinandersetzungen, die bis in die Gegenwart andauern, bei denen in den auf die Wahlen folgenden gewaltsamen K\u00e4mpfen \u00fcber 200 Menschen ums Leben gekommen sein sollen. Zehntausende sind auf der Flucht. Viele bef\u00fcrchten deshalb einen erneuten B\u00fcrgerkrieg wie im Jahre 2007!<\/p>\n<p>Die westlichen Industriestaaten bestehen ihrerseits auf einem R\u00fcckzug Gbagbos.<\/p>\n<p>Gerade am Beispiel von Cote d\u2019Ivoire zeigt sich, wie wenig Demokratie der Westen in den Entwicklungsl\u00e4ndern zul\u00e4sst. N\u00e4mlich gar keine, wenn es ihren Interessen widerspricht!<\/p>\n<p>So haben die westlichen Staaten Sanktionen gegen Gbagbo angeordnet, obwohl der Wahlsieg Alassane Ouattaras aus den oben genannten Gr\u00fcnden mehr als zweifelhaft ist.<\/p>\n<p>Seit dem Ende des B\u00fcrgerkrieges im Jahre 2007 ist das Land in zwei unterschiedliche Machtsph\u00e4ren aufgeteilt. Den Norden des Landes kontrollieren die ehemaligen Rebellen der Forces Nouvelles (FN) unter Guillaume Soro, der zuletzt als Premierminister einer Einheitsregierung unter Gbagbo amtierte. Die FN unterst\u00fctzen aber mittlerweile Ouattara, der im Norden der C\u00f4te d&#8217;Ivoire geboren wurde.<\/p>\n<p>Der wirtschaftlich st\u00e4rkere S\u00fcden wird dagegen von Gbagbo kontrolliiert.<\/p>\n<p>Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass es in Cote d\u2019Ivoire sehr wohl darum geht, ob das Land in neokolonialistischer Manier noch enger an den Westen angegliedert wird (also dem internationalen Monopolkapital T\u00fcr und Tor ge\u00f6ffnet wird!), aber auch darum, wer von den Westm\u00e4chten in diesem Gebiet die F\u00fchrungsrolle \u00fcbernehmen wird.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach den j\u00fcngsten Pr\u00e4sidentschaftswahlen hatten sowohl der Amtsinhaber Laurent Gbagbo als auch Oppositionschef Ouattara den Sieg beansprucht und sich bereits vereidigen lassen.<\/p>\n<p>Die westlichen Industriestaaten bestehen auf einem R\u00fcckzug Gbagbos, der auf antikoloniale Stimmungen in der Bev\u00f6lkerung  bauen kann und deswegen in der EU und den USA als unzuverl\u00e4ssiger Partner eingestuft wird.  <a href=\"https:\/\/www.lagota.ch\/?p=595\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[10,6],"tags":[],"class_list":["post-595","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-aus-aller-welt","category-news"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.lagota.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/595","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.lagota.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.lagota.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lagota.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lagota.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=595"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.lagota.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/595\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":598,"href":"https:\/\/www.lagota.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/595\/revisions\/598"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.lagota.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=595"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lagota.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=595"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lagota.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=595"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}