{"id":715,"date":"2011-06-14T08:58:30","date_gmt":"2011-06-14T06:58:30","guid":{"rendered":"http:\/\/www.lagota.ch\/?p=715"},"modified":"2011-06-14T09:09:33","modified_gmt":"2011-06-14T07:09:33","slug":"they-have-a-dream","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lagota.ch\/?p=715","title":{"rendered":"They have a dream"},"content":{"rendered":"<p>Quelle: <a href=\"http:\/\/jungle-world.com\/artikel\/2011\/23\/43348.html\" target=\"_blank\">http:\/\/jungle-world.com\/artikel\/2011\/23\/43348.html<\/a><\/p>\n<p><strong><a href=\"https:\/\/www.lagota.ch\/wp-content\/uploads\/libyen.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-718\" title=\"libyen\" src=\"https:\/\/www.lagota.ch\/wp-content\/uploads\/libyen.jpg\" alt=\"\" width=\"479\" height=\"350\" srcset=\"https:\/\/www.lagota.ch\/wp-content\/uploads\/libyen.jpg 479w, https:\/\/www.lagota.ch\/wp-content\/uploads\/libyen-300x219.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 479px) 100vw, 479px\" \/><\/a>Freiheit und Frieden w\u00fcnschen sich die Menschen in der von Gaddafis Herrschaft befreiten Stadt Bengasi. Wie ihre Gesellschaft nach dem m\u00f6glichen Ende des Regimes aussehen soll, wissen die meisten noch nicht. Doch trotz aller Widerspr\u00fcche haben die Revolution\u00e4re zun\u00e4chst ein \u00adgemeinsames Ziel: den Diktator endg\u00fcltig zu st\u00fcrzen.<\/strong><\/p>\n<p>von Thomas V. D. Osten-Sacken und Bernd Beier<\/p>\n<p>\u00bbWelcome!\u00ab Der junge Mann mit umgeh\u00e4ngter Kalaschnikow macht das Victory-Zeichen, wie eigentlich jeder, der in der von Muammar al-Gaddafis Herrschaft befreiten Cyrenaika im Osten Libyens einen Ausl\u00e4nder sieht. Er bewacht mit \u00adeiner Handvoll weiterer Bewaffneter einen improvisierten Checkpoint in der N\u00e4he des Hafens von Bengasi, der mit 650\u2009000 Einwohnern zweitgr\u00f6\u00dften Stadt des Landes. Hinter der Stra\u00dfensperre, in 150 Meter Entfernung, am Rand des Meeres und in unmittelbarer N\u00e4he zum Hafen, liegt das politische Zentrum Bengasis \u2013 der Tahrir Square, der dieser Tage seinem Namen, \u00bbPlatz der Befreiung\u00ab, alle Ehre macht. Dort sind Dutzende von Zelten aufgebaut, auf zwei kaputten Panzern von Gaddafis Truppen turnen kleine Kinder herum, rund um den Platz befinden sich das Medienzenatrum, ein ausgebranntes Geb\u00e4ude des gef\u00fcrchteten Geheimdienstes sowie R\u00e4ume der \u00bbRevolution\u00e4ren Jugendorganisation\u00ab und diverser Komitees, die das \u00f6ffentliche Leben reorga\u00adnisieren.<\/p>\n<p>Wer morgens etwas von offizieller Seite in Bengasi will, steht bis 11\u2009Uhr vor verschlossenen T\u00fcren. Im Presseb\u00fcro des Transitional National Council (TNC), der \u00dcbergangsregierung Libyens, die inzwischen von verschiedenen westlichen Staaten und Katar diplomatisch anerkannt worden ist, beginnt die Arbeit sp\u00e4t. Auch der Tahrir Square liegt um diese Uhrzeit weitgehend verlassen da. Erst nachmittags f\u00fcllt er sich, um dann abends von Tausenden bev\u00f6lkert zu sein.<\/p>\n<p>Dann sind die Zelte gef\u00fcllt, man sitzt und diskutiert, auch f\u00fcr das Wohl der Kinder und Jugendlichen ist gesorgt: Die einen vergn\u00fcgen sich auf einer aufblasbaren Spielburg, andere mit Tischfu\u00dfball, Fahrr\u00e4dern oder kleinen, motorisierten Quads. Nur Frauen sucht man auf dem Platz nach Einbruch der Dunkelheit vergebens. Vor der B\u00fchne, \u00fcber der neben der Fahne des \u00bbfreien Li\u00adbyen\u00ab die Flaggen Gro\u00dfbritanniens, Frankreichs, Italiens, der USA und Katars flattern, liegen wie in einer Moschee Teppiche ausgebreitet. Gerade berichtet ein K\u00e4mpfer von den Entwicklungen an der Front. Schlie\u00dflich wird nur 150 Kilometer s\u00fcdlich von hier heftig gek\u00e4mpft. T\u00e4glich bringen Krankenwagen die Toten und Verletzten zur\u00fcck nach Bengasi.<\/p>\n<p>Der n\u00e4chste Redner kommt aus \u00c4gypten, ist Mitglied der liberalen Wafd-Partei und verliest eine Solidarit\u00e4tsadresse. Wenige Meter entfernt verkaufen zwei Jugendliche libyschen Revolutions-Rap. Seit Gaddafis Truppen vor etwas mehr als 100 Tagen aus Bengasi vertrieben wurden, hat sich in k\u00fcrzester Zeit eine lebendige Rap-Szene entwickelt. Die Texte sind eing\u00e4ngig, der Sound schallt auch aus den Pickups der K\u00e4mpfer, auf deren Ladefl\u00e4che Maschinengewehre und Raketenwerfer festgeschwei\u00dft sind. Ibrahim Tashani, Oberarzt der Herzstation des st\u00e4dtischen Krankenhauses, der \u00fcber 20 Jahre in Deutschland gelebt hat, zeigt sich von der Jugend begeistert: \u00bbSie haben geschafft, wovon wir nicht einmal zu tr\u00e4umen wagten. Es ist ihre Revolution, ihre Musik, ihr Leben.\u00ab Und deshalb komme er, trotz langer anstrengender Arbeitstage, Abend f\u00fcr Abend auf den Platz der Befreiung. \u00bbSie sollen sehen und wissen, dass wir abends nicht einfach schlafen gehen, sondern unser Herz bei ihnen ist.\u00ab<\/p>\n<p>Das h\u00f6rt man immer wieder: Die Jugend habe zu den Waffen gegriffen, den Aufstand begonnen und weitergef\u00fchrt. Wie in allen arabischen L\u00e4ndern machen die unter 30j\u00e4hrigen \u00fcber 70 Prozent der Bev\u00f6lkerung aus. Und hier wei\u00df man ihre Leistungen zu sch\u00e4tzen: Ungehindert k\u00f6nnen Graffitik\u00fcnstler die Geb\u00e4ude der \u00dcbergangsregierung bespr\u00fchen, ob mit Karikaturen von Gaddafi, Bildnissen des Rappers 50 Cent oder dem Konterfei Bob Marleys. Das Presseb\u00fcro der \u00dcbergangsregierung erinnert eher an ein autonomes Jugendzentrum als an eine Beh\u00f6rde. \u00dcberhaupt verstrahlt der ganze Tahrir Square etwas von der Atmosph\u00e4re besetzter H\u00e4user. W\u00e4ren da nicht die amerikanischen Flaggen, der Imam, der gerade mit schriller Stimme ins Mikrophon br\u00fcllt, und die Abwesenheit von Frauen, man k\u00f6nnte angesichts der gesamten Stimmung auch f\u00fcr einen Moment glauben, sich im Barcelona des Jahres 1936 zu befinden.<\/p>\n<p>Dass es so etwas wie eine \u00d6ffentlichkeit gibt, einen Ort, an dem sich Menschen aus allen Schichten und Altersgruppen der Bev\u00f6lkerung treffen und politische Diskussionen f\u00fchren, das ist neu in der arabischen Welt. Und was in anderen arabischen Staaten nur f\u00fcr wenige Tage Realit\u00e4t war, die Aneignung dieser R\u00e4ume, haben die Menschen in Bengasi in einen Dauerzustand verwandelt. Die Rechtsanwaltsvereinigung hat ihr Zelt ebenso auf dem Tahrir Square aufgeschlagen wie Vertreter kleiner Ortschaften aus dem Umland, die Kriegsversehrten des Tschad-Kriegs sitzen in Rollst\u00fchlen neben Vertretern religi\u00f6ser Einrichtungen. Bis drei Uhr morgens geht es so, Nacht f\u00fcr Nacht, seit der Aufstand am 17.\u2009Februar ausgebrochen ist. Jeder ist irgendwo aktiv: sei es bei den freiwilligen Putztrupps, in einem der unz\u00e4hligen Komitees, die die Stadt verwalten, bei den Truppen an der Front oder mit der Herausgabe einer neuen Zeitung. Freie Medien habe es nicht gegeben unter der Diktatur, heute existierten allein in Bengasi 39 unabh\u00e4ngige Zeitungen und Magazine, drei Radiostationen und eine f\u00fcrs Fernsehen, sagt ein Journalist aus dem Medienzentrum. Auch die Organisation des Alltags scheint immerhin rudiment\u00e4r zu funktionieren: Abgesehen von mehreren Ausf\u00e4llen am Tag, ist die Stadt mit Strom versorgt, es gibt Benzin an den Tankstellen, Gesch\u00e4fte und Restaurants haben ge\u00f6ffnet.<\/p>\n<p>Verkl\u00e4rend sprechen viele Menschen in Ostlibyen von der Zeit vor Gaddafi. Jugendliche zeigen einem das Portr\u00e4t von K\u00f6nig Idris, das sie auf ihrem Mobiltelefon gespeichert haben. Man spricht respektvoll vom ehemaligen K\u00f6nig und von Omar Mukhtar, jenem ber\u00fchmten Anf\u00fchrer der libyschen Guerilla, der gegen die Italiener k\u00e4mpfte und 1931 in Bengasi hingerichtet wurde. Sein Gro\u00dfenkel Mari sitzt Abend f\u00fcr Abend in einem Wasserpfeifencaf\u00e9 und erz\u00e4hlt stolz von seinem Urgro\u00dfvater. Er hat in England studiert und spricht, anders als die meisten Libyer, flie\u00dfend Englisch. Unter Gaddafi habe er keine Fremdsprachen in der Schule lernen k\u00f6nnen, Englisch habe er sich selber beigebracht, sagt sein Freund, der Student Osama.<\/p>\n<p>Nicht weit vom Stadtzentrum entfernt, in einem Hof, liegen gestapelt Dutzende von Katju\u00adsha-Ra\u00adketen. \u00bbUnsere Unterst\u00fctzung f\u00fcr die Revolution\u00e4re in Misrata\u00ab, erkl\u00e4rt der junge Gastgeber. Die heftig umk\u00e4mpfte westlibysche Stadt, in der \u00fcber 1\u2009000 Menschen als \u00bbverschwunden\u00ab regis\u00adtriert sind, ist noch immer von Gaddafis Truppen eingeschlossen und nur \u00fcber den Seeweg erreichbar. Jeden Tag verlassen Schiffe mit Nahrungsmitteln, Munition, Waffen und neuen K\u00e4mpfern den Hafen, um am n\u00e4chsten Tag mit Verwundeten zur\u00fcckzukehren. Die befreiten St\u00e4dte in S\u00fcdwestlibyen werden hingegen aus der Luft versorgt. Auch mit Hilfe europ\u00e4ischer Milit\u00e4rausbilder scheinen sich die Truppen des \u00bbfreien Libyen\u00ab \u2013 sie alle lehnen es strikt ab, Rebellen genannt zu werden \u2013 besser zu organisieren. Die zwei ersten Brigaden der neuen Armee wurden am vorvergangenen Sonntag vereidigt. Das Ereignis zog Tausende aus Bengasi an, die ihre neue Armee begeistert feierten \u2013 Frauen und M\u00e4nner s\u00e4uberlich getrennt.<\/p>\n<p>Und die Islamisten, die Gaddafis Propaganda zufolge Bengasi unter Kontrolle haben? Beim Aufmarsch der neuen Soldaten sieht man hin und wieder die f\u00fcr sie so typischen B\u00e4rte, aber keineswegs mehr als in \u00c4gypten oder anderen arabischen Staaten. Zu deren Einfluss befragt, meint Mari, die Libyer seien keine Radikalen; im \u00dcbrigen geh\u00f6re Gott in den Himmel, Politik aber m\u00fcsse auf Erden gemacht werden. Ostlibyen galt allerdings fr\u00fcher als Hochburg der Islamisten, und nachweislich k\u00e4mpfen einige Jihadisten mit den Milizen an der Front. Darauf angesprochen, winkt Ibrahim nur ab: Das alles sei Propaganda von Gaddafi, nicht weiter ernst zu nehmen. Anders als im benachbarten \u00c4gypten oder in Tunesien, wo inzwischen die Konflikte zwischen Muslimbr\u00fcdern und Jugendbewegung offen zutage treten, pflegt man in Libyen das \u00bbWir-Gef\u00fchl\u00ab: Alle, die gegen Gaddafi k\u00e4mpfen, geh\u00f6ren dazu, der Rapper ebenso wie der B\u00e4rtige.<\/p>\n<p>Gl\u00e4ubig geben sie sich irgendwie alle, Bengasi wirkt trotz Graffiti und Revolutionsromantik wie eine konservative, v\u00f6llig von M\u00e4nnern dominierte Stadt. Immerhin, eine organisierte islamistische Partei existiert hier so wenig wie andere Parteien auch. All das war unter der Herrschaft Gaddafis strikt verboten. Ob das v\u00f6llige Fehlen politischer Strukturen sich f\u00fcr das k\u00fcnftige Libyen als Fluch oder Segen erweisen wird, wird sich zeigen. Zumindest muss man sich nicht wie in den Nachbarstaaten mit der Erbschaft des 20.\u2009Jahrhunderts herumschlagen, also mit pseudosozialistischen, panarabischen oder anderen organisierten Kr\u00e4ften, sondern ist gen\u00f6tigt, sozusagen bei Null zu beginnen. Man hat aber auch keine gro\u00dfen \u00f6konomischen Probleme zu bef\u00fcrchten: Libyen ist reich an \u00d6l, es d\u00fcrfte ein Leichtes sein, den paar Millionen Menschen im Land eine einigerma\u00dfen gesicherte Existenz zu garantieren. Sichtbare Armut scheint nicht das Problem in Libyen zu sein. So fehlen in den Stra\u00dfen Bengasis die f\u00fcr \u00c4gypten so typischen Stra\u00dfenh\u00e4ndler und Schuhputzer, auch arbeitende oder bettelnde Kinder sind nirgends zu sehen. Aber man will den Reichtum f\u00fcr sich. \u00bbGaddafi hat all unser Geld in seine afrikanischen Projekte gesteckt\u00ab, beschwert sich ein Taxifahrer.<\/p>\n<p>Die \u00bbAfrikaner\u00ab, also jene Arbeitsmigranten aus den s\u00fcdlichen Nachbarstaaten Libyens, sind nicht wohl gelitten. Man wirft ihnen vor, es mit Gaddafi gehalten, gar als S\u00f6ldner f\u00fcr ihn gek\u00e4mpft zu haben. Das Resultat: Zehntausende von Fl\u00fcchtlingen aus dem Tschad, Mali, Niger und anderen schwarzafrikanischen L\u00e4ndern fristen zurzeit in Tunesien und \u00c4gypten ihr Dasein in Fl\u00fcchtlings\u00adlagern. Viele sind vor dem Krieg in die Nachbarl\u00e4nder geflohen, viele aber auch aus Angst vor rassistischen \u00dcbergriffen in Ostlibyen. Handelt es sich bei den Schwarzen hingegen um Landsleute aus dem S\u00fcden des Landes, scheint es keine gr\u00f6\u00dferen Probleme zu geben. Ahmed etwa, ein hochgewachsener Schwarzer mit kleinen grauen Einsprengseln in seinem Kinnb\u00e4rtchen, der elf Jahre als Soldat in der libyschen Armee gedient hat und nun als Berater der Anti-Gaddafi-Truppen an der Front t\u00e4tig ist, stellt bei einer Runde \u00fcber den Tahrir Square seinen ausgedehnten Freundeskreis vor: Soldaten wie Zivilisten, Schwarze, Wei\u00dfe. Ressentiments? Fehlanzeige.<\/p>\n<p>Die Dankbarkeit gegen\u00fcber Frankreich, Gro\u00dfbritannien und den USA ist allgegenw\u00e4rtig. Franz\u00f6\u00adsische Flaggen f\u00e4hrt man stolz auf seinem Moped herum. Wie Rod Nordland in der New York Times verwundert feststellte, d\u00fcrfte es sich bei \u00bbFree Libya\u00ab wohl um die erste popul\u00e4re arabische Bewegung handeln, die auch unter der Trikolore und den Stars and Stripes gegen die autorit\u00e4re Herrschaft k\u00e4mpft und dies keineswegs als Widerspruch empfindet. Zu gut erinnert man sich hier an den 19.\u2009M\u00e4rz, als Gaddafis Panzer in die Vororte Bengasis einrollten und die libysche Revolution vor dem Scheitern stand. Was ohne den Einsatz der franz\u00f6sischen Luftwaffe geschehen w\u00e4re? \u00bbSchlimmer als das, was Assad in Syrien gerade macht. Ein Massaker\u00ab, ist Ibrahim Tabashi sich \u00adsicher. \u00bbWir zeigen unsere Dankbarkeit, auch wenn wir wissen, dass alle westlichen L\u00e4nder mit Gaddafi kooperiert haben\u00ab, f\u00fcgt er hinzu.<\/p>\n<p>In den Zelten und an den W\u00e4nden der Geb\u00e4ude auf dem Platz h\u00e4ngen Hunderte von verblichenen Fotos, von den Opfern des Gef\u00e4ngnismassakers von 1996 ebenso wie von \u00bbVerschwundenen\u00ab. Unbekannt ist bislang, wie viele Menschen dem Regime Gaddafis in den vergangenen 42 Jahren zum Opfer gefallen sind. Allein seit dem Beginn der Aufst\u00e4nde sollen \u00fcber 10\u2009000 Menschen get\u00f6tet worden sein. Und deshalb haben fast alle, die man trifft, Geschichten zu erz\u00e4hlen \u00fcber Verhaftungen, Folter und den allt\u00e4glichen Geheimdienstterror. Frei wolle man nun sein, das h\u00f6rt man immer wieder, in einer Demokratie leben. Wie diese aussehen soll? Die Antworten bleiben vage. Erst m\u00fcsse Gaddafi gest\u00fcrzt werden, dann k\u00f6nne man sich weitere Gedanken machen. Der TNC erkl\u00e4rt immerhin in seinem Gr\u00fcndungsmanifest, man strebe eine s\u00e4kulare und demokratische Republik an.<\/p>\n<p>Und angeblich hat er sogar eine Note an Benjamin Netanjahu senden lassen: Man wolle im Falle eines Sieges Israel diplomatisch anerkennen. Nicht selten sieht man aber auch die Grafitti \u00bbGaddafi: Zionist\u00ab oder Konterfeis des Diktators mit dem Davidstern auf der Stirn. Eine Frau, die die M\u00fcllabfuhr der Stadt reorganisieren m\u00f6chte, schw\u00e4rmt derweil von einer islamischen Demokratie und \u00e4u\u00dfert als ihren sehnlichsten Wunsch, bald in Jerusalem beten zu k\u00f6nnen. Die drei Jugendlichen, die ihr Auto anhalten, um ein herzliches \u00bbWelcome\u00ab loszuwerden, haben andere Priorit\u00e4ten: \u00bbWir wollen Freiheit, Frieden, Bildung.\u00ab<\/p>\n<p>Aber wie in allen anderen arabischen L\u00e4ndern auch wird die gro\u00dfe Frage sein, ob dieser Wunsch in Erf\u00fcllung geht. Denn die Jugendlichen sind weitestgehend unorganisiert, das politische Establishment der Opposition besteht zum gr\u00f6\u00dften Teil aus ehemaligen Mitgliedern der Gaddafi-Regierung oder Libyern, die nach Ausbruch des Aufstandes aus dem Exil zur\u00fcckgekehrt sind. Noch aber ahnt man diese Widerspr\u00fcche mehr, als dass sie ausgesprochen werden, noch eint ein Wunsch die Menschen auf dem Tahrir Square: dass Gaddafi m\u00f6glichst bald gest\u00fcrzt werden m\u00f6ge. \u00bbWe have a dream\u00ab, steht gro\u00df auf einem Plakat geschrieben, das fr\u00fcher wohl ein Konterfei des Oberst geschm\u00fcckt hat, \u00bbthat is to be free\u00ab.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Freiheit und Frieden w\u00fcnschen sich die Menschen in der von Gaddafis Herrschaft befreiten Stadt Bengasi. Wie ihre Gesellschaft nach dem m\u00f6glichen Ende des Regimes aussehen soll, wissen die meisten noch nicht. Doch trotz aller Widerspr\u00fcche haben die Revolution\u00e4re zun\u00e4chst ein \u00adgemeinsames Ziel: den Diktator endg\u00fcltig zu st\u00fcrzen. <a href=\"https:\/\/www.lagota.ch\/?p=715\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[10,6],"tags":[],"class_list":["post-715","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-aus-aller-welt","category-news"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.lagota.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/715","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.lagota.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.lagota.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lagota.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lagota.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=715"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.lagota.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/715\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":717,"href":"https:\/\/www.lagota.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/715\/revisions\/717"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.lagota.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=715"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lagota.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=715"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lagota.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=715"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}