Offener Brief an die Regierung des Kantons Luzern

07/02/2016

Sehr geehrte Mitglieder der Regierung


Wir fühlen uns gekränkt durch Ihre Aktionen der letzten Wochen. Im Rahmen einer Aufklärungskampagne wollen Sie «sexuelle Übergriffe thematisieren und über den korrekten Umgang mit Frauen und Mädchen aufklären». Wir sind Menschen mit viel Respekt vor Frauen und Männern. In diesem Brief legen wir Ihnen unsere Sicht dar, in der Hoffnung, dass wir wieder auf Augenhöhe den Menschen in der Schweiz begegnen können.

· Sexuelle Übergriffe sind im ganzen Nahen Osten und in den meisten unserer Herkunftsländer ein Verbrechen. Sexuelle Übergriffe sind keine Frage der Herkunft, sondern eine Frage des fehlenden Anstandes. Übergriffe gibt es von Flüchtlingen, genauso wie von Europäern auch. Wir haben aber den Eindruck, dass Ihr die Situation nach Silvester missbraucht, um uns als Sündenböcke für andere Probleme hinzustellen.

· Wir sind gerne bereit, eine Diskussion über den Umgang zwischen Frauen und Männern zu führen, denn wir sind auch interessiert an einem guten Umgang zwischen den Geschlechtern. Diese Diskussion wollen wir aber auf eine respektvolle Art mit Ihnen führen. Sie aber haben uns als Wilde hingestellt, die aufgeklärt werden müssen. Damit giesst die Regierung zusätzlich Öl ins Feuer und provoziert uns gegenüber Rassismus.

∙ Ja, wir wollen uns sehr gerne in das lokale Leben integrieren und die lokalen Menschen und Werte kennenlernen. Aber viele von uns sind über Monate in Bunkern untergebracht und es fällt uns tatsächlich schwer, in Kontakt zu kommen und einen Zugang zu finden. Wenn wir die Möglichkeit haben, uns hier zu integrieren, nehmen wir dies sehr gerne wahr. Wir sind sehr gerne Teil der Zukunft dieser Region und helfen gerne mit bei den Herausforderungen der nächsten Jahre. Wir bitten Euch, uns dabei keine Steine in den Weg zu legen, sondern unsere Hand zu nehmen. Wir bieten sie Euch an.

DANKE für Ihr Verständnis,
Flüchtlinge im Kanton Luzern

BriefanRegierung

Tags: , ,

Comments are closed.

Renitente Nr. 3

renitente renitente ist ein offenes Zeitungsprojekt, das vielfältige kritische Stimmen zu Migrationsregimen veröffentlicht. renitente vertritt keine Einheitsmeinung, sondern verschiedene Positionen im Kampf gegen Rassismus, das Camp-System und Fremdbestimmung. Willst Du mitschreiben oder hast eine Kritik an den Texten, dann schreib uns auf: renitente@immerda.ch

Suchen