Libyens Diktator Gaddafi: Drei Säulen geschleift

Quelle: http://www.taz.de/1/politik/afrika/artikel/1/drei-saeulen-geschleift/

Das libysche Regime ist eines der repressivsten der Welt. Die Tatsache, dass der selbsternannte Revolutionsführer Muammar al-Gaddafi seit 42 Jahren an der Macht ist, hängt auch damit zusammen, dass er bei einem von ihm angeführten Putsch “Freier Offiziere” 1969 gleich drei tragende Pfeiler von Politik und Gesellschaft in ihrer Macht beschnitt: die Armee, die Stämme und das religiöse Establishment.

Hinsichtlich der Streitkräfte gibt es einen wesentlichen Unterschied zu Ägypten. In dem Land am Nil war das Militär seit 1952 der zentrale Machtfaktor. In Libyen hingegen sorgte Gaddafi in den ersten beiden Jahrzehnten seiner Herrschaft für eine Schwächung der Armee – eingedenk der Tatsache, dass die meisten Regime in der Region durch einen Militärputsch gestürzt wurden. Auch in Libyen gab es die meisten Umsturzversuche aus den Reihen des Militärs.

Gaddafis Ankündigung damals, die Streitkräfte perspektivisch durch eine “Volksarmee” zu ersetzen, sorgte für Unruhen in deren Rängen, ebenso die Tatsache, dass die Macht der Revolutionskomitees auf Kosten der Armee ausgebaut wurde und, ähnlich wie im Iran, eine parallele bewaffnete Struktur entstand. Gaddafi sorgte für eine schnelle Rotation unter den Kommandeuren oder zwang sie in den Ruhestand. Insofern sind Berichte aus Bengasi über Armeeeinheiten, die sich den Aufständischen anschließen, nicht überraschend.

Etwas differenzierter stellt sich die Lage bei den Stämmen dar, die von der Regentschaft König Idris (1951-1969) profitiert hatten und das Rückgrat der libyschen Gesellschaft bilden. Wie viele – sich als revolutionär und modern verstehende – Führer sagte auch Gaddafi, der Beduinensohn, dem Tribalismus den Kampf an, entzog den Stämmen ihre administrativen Rechte, wechselte die Führungsschicht aus und erkannte die Grenzen ihrer Gebiete nicht mehr an.

Doch Tribalismus und Stämme waren für Gaddafi auch in jenem ersten Jahrzehnt seiner Herrschaft zweierlei. Familie, Stamm und Nation stellen die Basis der Gesellschaft, zusammengeschweißt durch menschliche Wärme, Gruppenzusammenhalt, Einheit, Liebe. In späteren Schriften Gaddafis erscheint das traditionelle Leben auf dem Land in strahlendstem Licht. Selbst die strikte soziale Kontrolle und harte Arbeit sind ein durchaus positiv – und naiv – bewerteter Teil eines “ruhigen und glücklichen Lebens” in Freiheit.

So ist es wenig verwunderlich, dass Gaddafi Anfang der 90er Jahre das Ruder herumriss, um seine Basis zu stärken, und den Stämmen wieder mehr Rechte einräumte. Seither sind die wichtigsten Stämme auch in den Streitkräften repräsentiert. Dies stärkte angesichts der Rivalitäten der Stämme untereinander zugleich seine Kontrolle über das Militär. Heute stellt sich allerdings die Frage, welche Rolle die Stammeszugehörigkeit in den Städten spielt, wenn es darum geht, sich für oder gegen Gaddafi zu positionieren.

Das religiöse Establishment schließlich zeigte sich nach der Machtübernahme zunächst erfreut, dass der Revolutionsführer die Scharia einführte. Doch das währte nicht lange, denn Gaddafi forderte die Ulema, die islamischen Gelehrten, heraus, indem er ihre Rolle als Interpreten des Koran infrage stellte. Gaddafis Interpretation des Islam sieht nämlich nicht die Notwendigkeit einer Vermittlung zwischen Gott und den Menschen vor. Er änderte den muslimischen Kalender, was ebenso auf Kritik stieß wie die Tatsache, dass sich Gaddafis “Dritte Universaltheorie” nicht nur an die muslimischen Länder, sondern sich an die Dritte Welt insgesamt richtete.

Diese Woche erklärte ein Bündnis von 50 Geistlichen, es sei die Pflicht aller Muslime, gegen die libysche Führung aufzubegehren, und forderte die Freilassung der festgenommenen Demonstranten.

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Amerikas Linke geht zu Tausenden auf die Straße

Sie wehren sich gegen Sozialkürzungen und republikanische Politik: 2010 gehörte der rechten Tea Party, nun blasen linke Gewerkschaften zur Gegenrevolution.

Wer hätte das gedacht: Während Amerika wie gebannt auf die Revolutionen im Mittleren Osten starrt, findet daheim ebenfalls ein Volksaufstand statt. Seit zwei Tagen belagern Tausende von Demonstranten den Kapitolplatz und das Parlament von Madison, der Hauptstadt des US-Bundesstaats Wisconsin. Sie haben Schlafsäcke mitgebracht und kampieren auf dem Boden der Rotunde. Der Bürgerrechtler Jesse Jackson ist angereist und singt mit ihnen den Protest-Evergreen “We shall overcome!”. Die aufgebrachten Menschen recken die Fäuste und brüllen: “Wir sind das Volk!”

Nicht nur in Wisconsin, auch in Ohio und in Indiana gehen die Leute auf die Straße. In den kommenden Tagen rechnet man mit Demonstrationen an vielen Orten Amerikas. Die Menschen wehren sich gegen radikale Kürzungen in den Landeshaushalten. Sie wehren sich dagegen, dass der Rotstift in erster Linie die Armen und Kranken ins Visier nimmt, die staatlichen Sozial- und Krankenprogramme. Und dass man überdies die Staatsdiener zur Kasse bittet, dass man ihre Stellen streicht und ihre Gehälter kürzt. Und Zehntausende von Lehrern, Bibliothekaren, Postlern wehren sich gegen den Plan des neuen republikanischen Gouverneurs von Wisconsin, die Gewerkschaften der Staatsbediensteten zu entmachten. Scott Walker will ihr Tarifrecht weitgehend abschaffen.

Nach seinem Willen sollen die Gewerkschaften künftig nur noch über Mindestlöhne verhandeln dürfen, aber nicht mehr über all die vielen Dinge, die in Amerika ebenfalls zum Gehaltspaket gehören – und oft wichtiger sind als der Grundlohn: Pensionsansprüche zum Beispiel, die Krankenversicherung für die gesamte Familie, Urlaub, Krankentage und so weiter. Experten sagen, dies sei seit Jahrzehnten der größte Angriff gegen Gewerkschaften. Andere republikanische Gouverneure wollen Walker nacheifern. Im Angesicht des gewaltigen Schuldenbergs und der gigantischen Finanzkrise wollen sie gleich mit allem aufräumen, was sie stört.

Das vergangene Jahr gehörte dem Aufstand der rechten Tea Party, jetzt könnten linke Gewerkschaften und Verbände zur Gegenrevolution blasen. So viele aufgebrachte Menschen haben Staaten wie Wisconsin und Ohio schon lange nicht mehr gesehen. Der Streit teilt in erster Linie Demokraten und Republikaner, vor allem in der Frage des Tarifrechts. Präsident Obama hat den Gewerkschaften bereits seine Solidarität versichert.

Doch der Riss geht weiter, mitten durch die Parteien, wenn die Frage beantwortet werden muss, wo der Staat denn, bitteschön, einsparen soll. Seit Wochen kann man das bereits auf der Bundesebene beobachten. Um Dreierlei wird in Washington miteinander gerungen: Erstens, um den gegenwärtigen Haushalt, der im vergangenen Jahr nicht beschlossen wurde, und deshalb alle paar Monate mit einem neuen Scheck finanziert werden muss. Anfang März steht der nächste Scheck an und die Republikaner wollen ihn verweigern, wenn die Obama-Regierung nicht gleichzeitig etwa 100 Milliarden Dollar einspart, von der Bildungs- über die Sozialpolitik bis zur Infrastruktur.

Zweitens geht es um die Anhebung der allgemeinen Verschuldensgrenze. Das rechtliche Limit wird in wenigen Wochen erreicht und zum Anheben des Schuldendeckels braucht man ebenfalls die Zustimmung der Republikaner.

Der dritte Streit dreht sich um den Haushalt für das kommende Jahr und die Frage, wie man den großen Schuldenmachern in den kommenden Jahrzehnten zu Leibe rückt, der Sozialversicherung, vor allem aber den Krankenversicherungen für Rentner, Behinderte und Arme, Medicare und Medicaid.

Quelle: http://www.zeit.de/politik/ausland/2011-02/proteste-usa-sozialkuerzungen

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Dresden blockieren Aufmarsch – Neonazis weichen nach Leipzig aus

Quelle: http://www.n-tv.de/politik/Neonazis-weichen-nach-Leipzig-aus-article2655421.html

Zehntausende friedliche Demonstranten verhindern in Dresden einen Aufmarsch von Neonazis. Die Rechtsextremen sollen nun nach Leipzig geschafft werden, um dort demonstrieren zu können. In Dresden kommt es derweil zu massiven Auseinandersetzungen zwischen gewaltbereiten Demonstranten und der Polizei.

Überschattet von massiven Ausschreitungen haben mehr als zehntausend Menschen in Dresden gegen drei geplante Neonazi-Aufmärsche demonstriert. Linksgerichtete Demonstranten warfen Steine auf Beamte und errichteten brennende Straßenblockaden. Die Polizei ging mit Wasserwerfen, Schlagstöcken und Reizgas gegen die gewalttätigen Demonstranten vor.

Statt der bis zu 4000 erwarteten Rechtsextremen gelangten nach Angaben der Dresdener Polizei zunächst nur etwa 600 zu den ihnen zugewiesenen Versammlungsorten im Süden der Stadt. Mehr als 1000 Neonazis waren noch in der Stadt unterwegs und mussten von der Polizei abgefangen und geschützt werden.

Demo nun in Leipzig?

Wegen der massiven Blockaden sollten die Rechtsextremen allerdings nach Leipzig ausweichen. Die Bundespolizei werde sie in kleinen Gruppen begleiten, sagte ein Sprecher in Dresden. Sie würden den nächstmöglichen Zug nach Leipzig nehmen. Man gehe davon aus, dass sich etwa 600 Personen auf den Weg machen. Die Leipziger Polizei bereite sich indes intensiv auf einen Einsatz vor, sagte ein Sprecher.

Zu den Gegenkundgebungen hatte das Aktionsbündnis “Dresden-Nazifrei” aufgerufen. Nach Angaben des Bündnis-Sprechers Stefan Thiel folgten dem Aufruf bis zum Nachmittag etwa 15.000 Menschen. Tausende waren bereits am Morgen mit 250 Bussen aus dem gesamten Bundesgebiet angereist.

Gewalttätige Gegendemonstranten durchbrachen im Lauf des Tages immer wieder Polizei-Absperrungen. In mehreren Gruppen blockierten sie wichtige Kreuzungen und Straßen, um den Marsch der Neonazis vom Dresdener Hauptbahnhof zu dem etwa zwei Kilometer entfernten Versammlungsort zu verhindern. Dabei setzten Linksextreme Müllcontainer in Brand, beschädigten Autos, warfen mit Steinen und Feuerwerkskörpern auf Polizisten und errichteten Barrikaden. Die Gegendemonstranten kommunizierten per Twitter und Website-Ticker, um Blockaden zu verstärken oder vor Polizeieinsätzen zu warnen.

“Explosion der Gewalt”

Die Polizei setzte nach eigenen Angaben Wasserwerfer, Schlagstöcke und Reizgas ein, um ein Aufeinandertreffen der Gruppen zu verhindern. Mehrere Gegendemonstranten, die Polizisten angegriffen kamen in Gewahrsam. Die Gewerkschaft der Polizei sprach von einer “Explosion der Gewalt durch linksextremistische Straftäter” gegen die Polizei.

In vielen Dresdner Kirchen wurden Mahnwachen gegen den Aufmarsch der Rechtsextremen abgehalten. Die Grünen-Politikerin und Kirchentagspräsidentin Katrin Göring-Eckardt betete mit Bundes- und Landespolitikern. Der Evangelische Kirchentag ist in diesem Sommer in Dresden zu Gast.

Die sächsische Landeshauptstadt hatte die Aufmärsche der Rechtsextremen zunächst zusammenlegen wollen. Doch dies war ihr am Freitag vom Dresdener Verwaltungsgericht untersagt worden. Bereits am vergangenen Sonntag hatten Tausende in Dresden gegen einen Neonazi-Aufmarsch anlässlich des Jahrestags der Bombardierung der Stadt vor 66 Jahren protestiert.

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Massenproteste in Oaxaca

Originaltext bei amerika21.de (von Philipp Gerber)
Fotoquelle

Massenproteste am Tag nach der Eskalation am Rande des Präsidenten-Besuches. Visite Calderóns als “gezielte Provokation” bezeichnet

Am Mittwoch gab die mexikanische Bildungsgewerkschaft SNTE ihre Antwort auf die massive Repression am Dienstag bei dem Besuch von Präsident Felipe Calderón im Bundesstaat Oaxaca. 72.000 Lehrerinnen und Lehrer legten die Arbeit nieder, 16 Bundesstraßen in ganz Oaxaca wurden blockiert und in Oaxaca-Stadt fand eine Großdemonstration mit schätzungsweise 25.000 Teilnehmern statt.

Wenn auch nicht vergleichbar mit dem Massenaufstand von 2006, so war die Mobilisierung doch ein klares Signal an die neue Regierung von Gouverneur Gabino Cué. Rednerinnen und Redner auf der Kundgebung nahmen oft Bezug auf die Ereignisse am Dienstag als den Tag, an dem die Regierung Gabino Cué “ihr wahres Gesicht zeigte”. Ein Teilnehmer schilderte: “Für mich war erstaunlich, wie breit die unabhängige Bewegung ist”. Diese sieht sich weder auf Seiten des breiten Bündnisses von Gabino Cué, noch auf Seiten der langjährigen Staatspartei PRI. Er selbst hätte Gabino etwas mehr Geschick zugetraut. “Dümmer gehts nimmer”, beschrieb ein älterer Mann das Verhalten des Hoffnungsträgers Gabino Cué. Dieser hatte vor zweieinhalb Monaten sein Amt angetreten und damit die seit 80 Jahren regierende PRI abgelöst.

Im Anschluss an die friedlich verlaufene Kundgebung am Mittwoch zogen die Lehrerinnen und Lehrer eine Zwischenbilanz der beiden Tage: Die 16 Verletzten vom Vortag, darunter Journalisten, Gewerkschafter und zwei Polizisten, befinden sich in stabilem Zustand. Die 17 Gefangenen wurden freigelassen. Santiago Chepi, der junge Generalsekretär der SNTE-Gewerkschaftssektion 22, nannte Gabino Cué “einen Verräter” und stellte zwei Vorbedingungen für die Wiederaufnahme von Gesprächen: eine öffentliche Entschuldigung des Gouverneurs für den gewaltsamen Einsatz und die Bestrafung der Verantwortlichen der Eskalation.

Die Regierung Cué ist konsterniert. Sie verspricht, die Gewalt zu untersuchen, die Staatsanwaltschaft hat in Rekordzeit mehrere Verfahren eröffnet. Die Angriffe am Dienstag gingen insbesondere von Bundespolizisten aus, welche den Präsidentschaftsbesuch weiträumig abschirmten. Viele der Beobachter und sozialen Organisationen halten den Besuch von Calderón für eine gezielte Provokation der kämpferischen Sektion 22 der Gewerkschaft SNTE. Vor Wochenfrist wurde eine zweite Gewerkschaft im Erziehungsbereich mit dem Ziel zugelassen, das mitgliederstärkste Syndikat Lateinamerikas mit seinen rebellischen Sektionen zu schwächen. Mit den Steuergeschenken für Besucher von Privatschulen sowie der Eröffnung einer Filiale der teuersten Privatuniversität Mexikos anlässlich des Besuchs in Oaxaca goss Calderon zusätzlich Öl ins Feuer. Dies vor dem Hintergrund einer geplanten Liberalisierung der Arbeitsrechte.

Zurück bleibt das Gefühl, dass sich Oaxaca auf dünnem Eis bewegt. Ein Funken genügt und Frust und Wut über Korruption, Gewalt, Ausgrenzung und Armut brechen sich Bahn. Noch kann keine Rede sein von “Friede und Fortschritt”, dem Wahlversprechen von Cué.

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Unruhen in Oaxaca und Chiapas

Originaltext bei amerika21
Fotoquelle

Die Bilder von Polizeireihen und dagegen anstürmenden Demonstranten in Oaxaca-Stadt erinnern an 2006: Oaxaca befindet sich erneut im Aufruhr. Mexikos Präsident Felipe Calderón kam am Dienstag zu Besuch und weihte im Beisein des neuen Gouverneurs Gabino Cué einen neuen Sitz der Privatuniversität La Salle ein. Erst am Vortag hatte der Präsident bekannt gegeben, dass die Unterrichtsgebühren der privaten Bildungseinrichtungen von den Steuern abgezogen werden können. Ein Steuergeschenk an die Reichen in der Höhe von schätzungsweise 800 Millionen Euro.

Gegen diese neoliberale Politik gingen die Gewerkschaftsmitglieder der Sektion 22 der LehrerInnengewerkschaft auf die Straße: “Wir protestieren gegen den Besuch von Felipe Calderón Hinojosa, welcher die Unternehmer unterstützt und weiter das Land zerstört, zum Vorteil seiner Machtclique”. Bei den Auseinandersetzungen im historischen Zentrum wurden mehrere Personen verletzt, darunter auch drei Journalisten (siehe Video).

Der letzte Besuch des Präsidenten im Süden des Landes galt vor vierzehn Tagen den Tourismusprojekten in Chiapas. Auch da wurden Proteste gewaltsam unterdrückt. Nur Stunden nach dem Besuch von Calderón forderte eine Auseinandersetzung zwischen PRI-Aktivisten und der zapatistischen “anderen Kampagne” im Touristenort Agua Azul ein Menschenleben (siehe “Mexiko: Rundbrief Februar 2011“.

+++ Update Oaxaca +++

Die Auseinandersetzungen begannen um elf Uhr Ortszeit und dauerten bis in den Abend. Es wurden mindestens 15 Personen verletzt (Fotos), darunter ein Journalist mit einem Beinschuss sowie der ehemalige APPO-Sprecher und Gewerkschafter Marcelino Coache. Dieser wurde von der Polizei mit einem aus nächster Nähe abgefeuerten Tränengaspetarde am Kopf schwer verletzt.

Die Mahnungen zur Besonnenheit von Seiten der Gewerkschaftsleitung fruchteten in dieser Situation wenig. Drei Polizistinnen wurden von den Lehrern mehrere Stunden festgehalten. Am Nachmittag gingen ein Polizeilastwagen und ein Hotel in Flammen auf. Zudem wird vermutet, dass mehrere Flugzeuge mit Bundespolizei aus Mexiko-Stadt in Richtung Oaxaca unterwegs sind.

Die Ereignisse sind mindestens so gravierend wie die Unruhen am 14. Juni 2006, nur dass inzwischen von Seiten der “Sicherheitskräfte” scharf geschossen wird und auch eine Karawane von Mannschaftswagen der Armee im Zentrum gesichtet wurde.

Die soziale Explosion kam überraschend. Ein Beobachter meinte, die Leute seien vom Konflikt 2006 immer noch verletzt und erwarteten alles andere als einen bewaffneten Angriff der neuen Regionalregierung (PRD-PT-PAN). Politisch ist der heutige Tag die Bankrotterklärung der Links-Rechts-Koalition Oaxacas, welche von den Parteien als Erfolgsrezept gegen den erstarkenden PRI verkauft wird, insbesondere im Hinblick auf die Präsidentschaftswahlen von 2012.

Siehe auch:
Video der Rundschau zu den Ereignissen von 2006/07:
Staatsgewalt und RepressionTicker zu Oaxaca 2006

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Weltsozialforum fordert neues Konsummodell

In der senegalesischen Hautstadt Dakar ist am Sonntag das 11. Weltsozialforum (WSF) zu Ende gegangen. An diesem WSF haben nach Angaben der Organisatoren 45.000 Menschen von 1.200 Organisationen aus 130 Ländern teilgenommen. Im Zentrum der Diskussionen standen neben den aktuellen Ereignissen in Nordafrika die Nahrungs- und Klimakrise sowie die Migrationspolitik. In der Abschlusserklärung wurde zu Protest gegen den kommenden G8/20 Gipfel in Frankreich sowie den kommenden Klimagipfel aufgerufen.

Bei diesem WSF ging es wie immer nicht nur um die Kritik des Bestehenden, sondern um Alternativen zum neoliberalen Kapitalismus. Das Konzept des “Buen vivir”, stellt so eine Alternative zur Diskussion. Es ist sowohl in der Verfassung Boliviens wie auch Ecuadors festgeschrieben. Es sieht ein eigenes Recht der Natur vor. Die Menschheit solle so konsumieren und produzieren, dass die Natur nicht beschädigt wird. Diese Debatte trifft auf Diskussionen in West-Europa, wo verstärkt das Wachstumsmodell in Frage gestellt wird.

Schon bei der Eröffnung des WSF betonte Boliviens Präsident Evo Morales seine Kritik am Kapitalismus einmal mehr, der Ursache für die gravierendsten Probleme der Erde sei. Auch der ehemalige brasilianische Präsident Luiz Inácio “Lula” da Silva forderte ein neues Entwicklungsmodell. Er konstatierte, dass die Länder des G20 nicht Willens und nicht in der Lage seien, die aktuellen Probleme zu lösen. Vielmehr stelle deren Politik ein Problem dar.

Die lateinamerikanische Organisation Via Campesina thematisierte die globale Ernährungssituation. Durch die Auflagen des Internationalen Währungsfonds (IWF), exportorientiert zu produzieren, hat sich die Lage in vielen Ländern dramatisch verschlechtert. Die Ernährungssouveränität ist nicht gegeben. In den Ländern werden nicht ausreichend Nahrungsmittel zur eigenen Versorgung produziert, die Märkte mit subventionierten Produkten z.B. aus Europa überschwemmt. Hinzu kommen Aufkäufe von Land für die Produktion von Biosprit in Lateinamerika und Afrika durch internationale Konzerne.

Eine Aktivistin aus Brasilien kritisierte das Agrobusiness in ihrem Land, das mehr Hunger produziere, die Bauern enteigne und den Boden zerstöre. Via Campesina kritisierte auch den Ausverkauf des Bodens vor allem in Ländern Lateinamerikas und Afrikas. Ziel sei es häufig, mit Nahrungsmitteln zu spekulieren.

Für viele Menschen aus Lateinamerika und Afrika hat das Thema Migration zentrale Bedeutung. Die Mauer zwischen den USA und Mexiko, die Abschottungspolitik der EU, sowohl gegen Lateinamerika wie auch Afrika wurde massiv kritisiert und eine Bewegungsfreiheit gefordert.

Das Weltsozialforum fand erstmalig 2001 im brasilianischen Porto Alegre statt, als Gegenveranstaltung zu dem sogenannten Weltwirtschaftsforum in Davos. Unter dem Motto “Eine andere Welt ist möglich” kamen seitdem jährlich Menschen aus aller Welt zusammen, um über Alternativen zur neoliberalen Globalisierung zu diskutieren. Vom WSF gingen zahlreiche Ideen hervor, die von Regierungen im Lateinamerika aufgenommen wurden wie zum Beispiel die Bank des Südens oder das alternative Handelsbündnis ALBA.

Quelle: http://amerika21.de/nachrichten/2011/02/23557/weltsozialforum

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Lagota Buchempfehlung

Give a Boy a Gun: From Killing to Peace-Making
(London, 2009)
Autor: Little Alistair
ISBN-13: 978-0232527636

Die Memoiren eines Mannes, der mit 17 Jahren für die UVF (Ulster Volunteer Force – loyalistische Paramilitärs) einen Mord beging und heute in Kriegszonen auf der ganzen Welt in Conflict Transformation arbeitet. Mit brutaler Ehrlichkeit erzählt Little von seiner Kindheit, von Segregation und früherem blindem Hass auf Katholiken, welcher ihn schließlich dazu bewog den bewaffneten Kampf anzutreten. Kein Buch über die Politik Nordirlands – und nichts für schwache Nerven. Trotzdem ein einmaliger, persönlicher Einblick in das Leben eines Mannes der durch persönliche Erfahrungen zum Mörder wurden und sich nach Jahren ehrlicher Auseinandersetzungen mit sich selbst und ihrer Gesellschaft nun auf Frieden hinarbeitet. Zum Verstehen der Situation Nordirlands in den 70ern und 80er Jahren genauso hilfreich wie ein Sachbuch, denn man lernt verstehen, wie eine Kindheit in einer „Kriegszone“ wie Nordirland junge Leute (egal welcher Religion) prägt und formt. Wow!

Die Geschichte von Little und dem Bruder seines Mordopfers (welches den Mord als Junge miterlebte) wurde von der BBC unter dem Titel Five Minutes of Heaven verfilmt. Einer der besten, emotionalsten Spielfilme über Nordirland, der trotz seines fiktiven Settings genauso aufrüttelt wie das Buch. Sehenswert!

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Café Lagota

Das Café Lagota geht weiter…

Die nächsten Daten sind 27. Februar, 27. März und 25. April!

Ein Treffpunkt um sich austauschen, zu informieren oder einfach das Wochenende ausklingen zu lassen.

Wie immer mit Kaffee und Kuchen!

Ort: Infoladen Romp, Luzern
Offen ab 15 Uhr, Ende ca. 19 Uhr

Wir freuen uns auf Euren Besuch!

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Lagota Buchempfehlung

Contemporary Northern Irish Society: An Introduction (London, 1999)
Autor: Coulter Colin
ISBN-13: 978-0745312446

Als Teil der lesenswerten Serie Contemporary Irish Studies (editiert von der Queen’s University, Belfast) bringt der nordirische Soziologe Colin Coulter einen lesenswerten Einstieg in Geschichte und Gegenwart der Gesellschaft Nordirlands. Von Medien zu Mauerbildern, Frauen und Fußball bis hin zu Politik und Proletariat zeigt er Grundstrukturen, ohne dabei die Auswirkungen der (sozialen/räumlichen/religiösen) Teilungen auf Einzelpersonen aus den Augen zu verlieren. Ein einmaliger kritischer Überblick über ein komplexes Thema der, wenn auch aus der Feder eines renommierten Soziologen, dank seiner vielen Definitionen und Ausführungen auch für “Einsteiger” unglaublich lesbar ist.

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Infoveranstaltung: Die baskische Jugendbewegung

Im Zuge der internationalen Solidaritätswoche mit dem Baskenland veranstaltet Lagota am 18. Februar eine Informationsveranstaltung.

Zwei Aktivisten der baskischen Jugendbewegung reden mit uns über die Situation junger politischer Aktivisten zwischen Illegalisierung und Verfolgung. Sie informieren und dikutieren mit uns ebenfalls über den neuen demokratischen Prozess.

Das Baskenland ist im Aufbruch. Im Februar 2010 bekräftigte die abertzale Linke, die baskische linke Unabhängigkeitsbewegung, ihre Friedensinitiative mit dem Dokument „Zutik Euskal Herria – Steh auf, Baskenland“ und erklärte einseitig und ohne Vorbedingung den Einsatz ausschließlich politischer und demokratischer Mittel zur Erreichung ihrer Ziele. Seitdem wächst die Zustimmung zu diesem Projekt mit fast wöchentlich neuen Erklärungen, Bündnissen und Aktionen, deren Unterstützerinnen und Unterstützer weit über das eigene Umfeld der abertzalen Linken hinausgehen.

Viele Baskinnen und Basken sehen die Chance auf Selbstbestimmung, auf ein Ende des spanisch-baskischen Konflikts und fordern von allen Konfliktparteien Engagement in Richtung eines Friedensszenarios und politischer Verhandlungen. Die aktive Beteiligung der Bevölkerung ist enorm: sie fordern ihre politischen Rechte und tragen den Protest auf die Straße.

Infoladen ROMP, Steinenstr. 17, Luzern – Freitag 18. Februar 2011, ab 20 Uhr

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