Viva Industriestrasse!

In der Stadt Lu­zern ist die In­i­tia­ti­ve “Ja zu ei­ner le­ben­di­gen In­du­s­trie­stras­se” deut­lich an­ge­nom­men wor­den. Der Ent­scheid fiel mit 12’960 zu 8201 Stim­men. Der Ge­gen­vor­schlag wur­de mit 12’104 zu 8038 Stim­men ab­ge­lehnt. Die Stimm­be­tei­li­gung be­trug 42,8 Pro­zent.

Die Stadt woll­te ih­re Grund­stü­cke an der In­du­s­trie­stras­se für 17,2 Mio. Fran­ken ver­kau­fen, da­mit dort das aus ei­nem In­ves­to­ren­wett­be­werb her­vor­ge­gan­ge­ne Pro­jekt “Ur­ban In­du­s­tries” der All­real Ge­ne­ral­un­ter­neh­mung Zürich rea­li­siert wer­den kann. Vor­ge­se­hen war ei­ne Über­bau­ung mit Miet­woh­nun­gen, so­wie Di­enst­leis­tungs- und Ge­wer­be­flächen.

Ge­gen die­se Plä­ne wehr­te sich die IG In­du­s­trie­stras­se mit ih­rer Volks­in­i­tia­ti­ve. Sie ar­gu­men­tier­te mit dem “Aus­ver­kauf” der Stadt. Statt die Grund­stü­cke zu ver­kau­fen, muss die Stadt sie nun im Bau­recht für ge­mein­nüt­zi­ge Wohn­bau­trä­ger ab­ge­ben.

In ei­ner ers­ten Stel­lung­nah­me be­dau­ert der Lu­zer­ner Stadt­rat das Re­sul­tat. Er wer­de nun zu­erst ei­ne Aus­le­ge­ord­nung ma­chen müs­sen, um das wei­te­re Vor­ge­hen und die not­wen­di­gen Ver­fah­ren fest­le­gen zu kön­nen, heisst es in der Me­di­en­mit­tei­lung. Um ei­ne po­li­ti­sche trag­fähi­ge Lö­sung zu prä­sen­tie­ren, wer­de er die po­li­ti­schen Par­tei­en in den Pro­zess ein­be­zie­hen.

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SOLIDARITÄT MIT SONJA SUDER UND CHRISTIAN GAUGER

Am 21. September 2012 beginnt am Landgericht Frankfurt am Main der Prozess
gegen die 79jährige Sonja Suder und den 70jährigen Christian Gauger. Beide
wurden vor einem Jahr von Frankreich an die BRD ausgeliefert. Der nach
einem Herzstillstand haftunfähige Christian wurde erst nach einem langen
juristischen Hin und Her aus der Haft entlassen. Sonja sitzt bis heute.

1978 sind Sonja und Christian aus der BRD abgehauen und haben im
französischen Exil eine Existenz aufgebaut. Ihnen wird nun vorgeworfen,
sie wären Mitglieder der Stadtguerilla Revolutionäre Zellen RZ gewesen.
Sie sollen für Aktionen der RZ verurteilt werden, die mehr als 30 Jahre
zurückliegen. Die fraglichen Aktionen richteten sich gegen die Vertreibung
der Unterklassen aus den Innenstädten; und gegen die Atom- und
Rüstungsindustrie, die das rassistische Apartheidregime von Südafrika
belieferte.

Die Vorwürfe gegen Sonja und Christian basieren zum einen auf den
Plaudereien eines Kronzeugen, dessen Unglaubwürdigkeit mehrfach belegt
ist. Zum anderen auf den unter Folter erpressten Aussagen eines
schwerverletzten Gefangenen.

Dieser Prozess ist Ausdruck einer Rachejustiz, die auf Biegen und Brechen
linken Widerstand kriminalisieren will. Der staatliche Verfolgungswille
ist ungebrochen. Nicht anders hier in der Schweiz: vor kurzem wurde dem
60jährigen Marco Camenisch, der seit 1991 unter anderem wegen Aktionen
gegen die Atomindustrie inhaftiert ist, die bedingte Entlassung verweigert
– aus politischen Gründen.

Widerstand gegen AKW, Rassismus und Vertreibung war legitim und ist es
auch heute. Die Gefangenen sind Teil unserer Kämpfe um Befreiung und
dürfen nicht vergessen werden.

Der Staat vergisst nicht – wir auch nicht! Besucht den Prozess oder
überlegt Euch was, um die Gefangenen zu unterstützen!

Freund/innen und Unterstützer/innen von Marco Camenisch, 20.9.12
Kontakt: knast-soli (aet) riseup (punkt) net

Informationen zum Prozess: www.verdammtlangquer.org
Schreibt an: Sonja Suder, JVA III, Obere Kreuzäckerstrasse 4, D-60435
Frankfurt am Main

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Bleiberechts-Demo vom 6. Oktober auf den 17. November verschoben!

Aufgrund längerer Verhandlungen mit der Stadt wurde die Bleiberechts-Demo vom 6. Oktober auf den 17. November verschoben!

Stay tuned!

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An der Industriestrasse keimt, wird, wächst und erstarkt Neues

«FOR SALE»: So lautet einer der Slogans der IG Industriestrasse. Sie will damit aufmerksam machen, dass die Stadt Luzern immer mehr Boden verkaufen will, aktuell und konkret: Land im Gebiet der Industriestrasse. Das ist eine Tendenz, die mich zum Nachdenken anregt.

Es darf nämlich nicht sein, dass die Stadt aus «steuertechnischen Gründen» oder aus Standortmarketing-Überlegungen EinwohnerInnen und Einwohner verjagt und attraktive Standorte – leichtsinnig! – verkauft. Seit über zehn Jahren sind die Industriestrasse und ihre Zukunft bei der Stadt Luzern ein Thema, und trotzdem präsentieren uns Stadtrat und Stadtparlament nun mit dieser Abstimmungsvorlage eine absurde, eine kurzsichtige Lösung.

Eine Zürcher Firma soll dieses zentrale Stück Stadt Luzern für den bescheidenen Preis von wenigen Millionen kaufen können; 17 Millionen seien viel zu wenig, sagen Kenner der Immobilienbranche. Während also diese Branche boomt und blüht, verkauft die Stadt Land zu einem Spottpreis! Nach einem wirtschaftlich sinnvollen Geschäft tönt das nicht.

Es sind Orte wie die Industriestrasse und ihre gegenwärtige Nutzung, es sind solche Freiräume und Freiheiten, auf die unsere Stadt stolz sein kann. Freiräume, in denen Neues keimen, werden und wachsen und erstarken kann. Solche Perlen dürfen keinesfalls leichtsinnig einem kurzsichtigen Deal geopfert werden.

Beim Industriestrassenfest am 25. August haben viele Besucherinnen und Besucher, die dieses Biotop der Ideen, diesen Mikrokosmos der gesellschaftlichen Vielfalt erstmals gesehen darüber gestaunt, was hier auf so wenig Fläche alles entstanden ist und – eigentlich – gerne weiterbestehen möchte.
Auch die Initiantinnen und Initianten wissen, dass dieses wertvolle Gebiet über kurz oder lang anders genutzt werden wird. Genau darum aber will ihr Volksbegehren, dass dieses städtebaulich ebenso empfindliche wie wertvolle Areal nicht einfach – wie Tafelsilber, allerdings zu Scherzpreisen – verscherbelt wird.

Sie wollen, dass das Areal im Baurecht abgegeben wird, was auch mir als einzig vernünftige Lösung erscheint, damit es der Stadt längerfristig erhalten bleibt.

So wäre es auch möglich, dieses Baurecht an gemeinnützige Wohnbauträger wie Genossenschaften, abzugeben, die – erstens – im Sinne der am 17. Juni angenommenen Wohnbau-Initiative preisgünstigen und familienfreundlichen Wohnraum erstellen; und die – zweitens – bereit sind, den heutigen «Spirit Industriestrasse» wenigstens teilweise in ein nachhaltiges Projekt überzuführen, das sich nicht allein an der Profitmaximierung orientiert.

Seit ich an der Industriestrasse ein eigenes Atelier habe, erlebe ich tagtäglich, wie sich hier unterschiedlichste Nutzungen und ihre Akteurinnen und Akteure ideell gegenseitig inspirieren und motivieren: Hier nämlich warten nicht allein «Kreative» jedwelcher Disziplinen auf ihre Eingebungen, hier sind produktive Kleinstbetriebe zuhause, wirken und werken, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Genau dieses Miteinander verschiedenster Nutzungen muss unbedingt in einer «künftigen Industriestrasse», sprich einer Überbauung im Baurecht, weiterleben.

Das Engagement der InitiantInnen sagt übrigens etwas Interessantes aus: Obschon sie genau wissen, dass sie dort mittelfristig ihre heutigen Ateliers verlieren, kämpfen sie mit vollen Kräften für ihre Vision, wie sie sich die Industriestrasse vorbildhaft darstellt.

Isabelle Roth, Luzern

Quelle: http://www.lu-wahlen.ch/kolumne-der-redaktion/news/2012/09/11/3463-an-der-industriestrasse-keimt-wird-waechst-und-erstarkt-neues/

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Menschenjagd

Seit Anfang August läuft in Griechenland die Polizeioperation »Gastfreundlicher Zeus«. Ihr Inhalt ist das genaue Gegenteil von dem, was der Name verspricht. Es handelt sich um eine Menschenjagd auf Flüchtlinge. Bis zum 10. September wurden 18993 Menschen zur Überprüfung ihrer Papiere vorläufig festgenommen. Viele von ihnen, nach Angaben des zuständigen Ministeriums für öffentliche Ordnung 2192 Personen, wurden wegen fehlender Aufenthaltsgenehmigung in Polizeihaft genommen oder in einem der neu eröffneten Abschiebelager festgehalten. Das einzige Kriterium für die Beamten, wer einer Überprüfung unterzogen wird, ist fremdländisches Aussehen, z.B. »zu dunkle Hautfarbe«. Aufnahmen entsprechender Praktiken der Einsatzkräfte sind im Internet dokumentiert: (tiny.cc/PolizeiAthen). Diese Bilder schwerbewaffneter Bereitschaftspolizisten, die im Athener Bahnhof einen Zug aus Nordgriechenland umstellen und nach Ausländern durchsuchen, sind alles andere als ein Beweis für die Demokratie in dem Land, das sich so gerne als Wiege derselben bezeichnen läßt.

Die Mehrheit der Griechen hat mit dem Vorgehen der Polizei allerdings kein Problem, im Gegenteil. Nach einer Erhebung im Auftrag der linken Wochenzeitung To Pontiki (Die Maus) erklärten 55 Prozent der Befragten, die Regierung müsse härter mit illegal ins Land eingereisten Migranten umgehen, nur 15 Prozent fordern mehr Toleranz ihnen gegenüber. Solche Überzeugungen sind selbst bei den Wählern linker Parteien in der Minderheit.

Die Vorlage der Polizei und die rassistische Grundstimmung in der Bevölkerung nutzend, werden die Neofaschisten Griechenlands immer dreister. Bei den letzten Wahlen im Juni war die faschistische Chrysi Avgi (Goldene Morgendämmerung) erstmalig mit fast sieben Prozent und 18 Abgeordneten ins Parlament eingezogen. Die von ihren Mitgliedern und Anhängern bereits seit Jahren verübten meist nächtlichen Angriffe mit Knüppeln und Messern auf Migranten haben in den letzten Monaten stark zugenommen. Und nun geht die Partei auch offen und am hellichten Tag gegen die von ihr als Wurzel allen Übels stigmatisierten »Fremden« vor. Gleich dreimal attackierten in der letzten Woche Kader der Partei, darunter auch Abgeordnete, Migranten. Im nördlich von Athen gelegenen Rafina »kontrollierten« die sich selbst als »Sturmtruppen« bezeichnenden Neofaschisten am vergangenen Freitag die Genehmigungen ausländischer Kleinhändler auf einem Volksfest und zerschlugen die Stände derjenigen, die sich nicht korrekt ausweisen konnten. Dasselbe geschah am folgenden Tag auf einem Wochenmarkt in der westgriechischen Küstenstadt Mesologgi, worauf sich der griechische Kleinhändlerverband bei den Gewalttätern bedankte. Der dritte Angriff folgte kurz danach in der auf den Peloponnes gelegenen Stadt Kalamata. Hier verprügelten die faschistischen »Sturmtruppen« fliegende Händler an einer Straßenkreuzung. Jüngsten Umfragen zufolge könnte die Partei bei Wahlen mittlerweile mit einem zweistimmigen Ergebnis von bis zu zwölf Prozent rechnen.

Auch beim Widerstand gegen die Abschiebelager spielen die Faschisten eine Rolle. Denn nicht nur linke, antirassistische Organisationen demonstrieren gegen diese Sammellager, von denen das erste bereits im Mai in Amigdaleza, nordwestlich von Athen, eröffnet wurde. Den Ende August zusammen mit den Faschisten gegen die Eröffnung eines weiteren in einer ehemaligen Kaserne in der Nähe der Hafenstadt Korinth demonstrierenden Anwohnern ging es allerdings nicht um Menschenwürde und Rechte der hier eingesperrten Migranten. Der gebetsmühlenartig fast alltäglich von den Massenmedien vorgegebenen Hetze gegen »kriminelle Ausländer« folgend, wehren sie sich vielmehr ausschließlich gegen die Nachbarschaft von Migranten, die auch noch »zur Entwertung des eigenen Immobilienbesitzes« führe.

Quelle: http://www.jungewelt.de/2012/09-14/013.php

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Mit Bier und guter Laune

Sommerzeit ist Abschiebezeit in Frankreich. Auch die neue linke Regierung geht derzeit gegen Roma vor.

»Den Wechsel jetzt« – le changement maintenant – lautete das Wahlkampfversprechen François Hollandes. Die im Lande lebenden Roma sollten dies so verstehen, dass es um einen notfalls unfreiwilligen Ortswechsel gehe, spottete am Montag vergangener Woche eine Satiresendung im französischen Fernsehen. Sie machte sich auch bitter über die »Abschiebungen mit Bier und guter Laune« lustig, die die Abschiebungen unter der linken Regierung von jenen der rechten Vorgängerregierung unterscheide.

Um die 30 der campements genannten Siedlungen von Roma, die mal aus Wohnwagen und mal aus Holzhütten, Baracken und einfachen Häusern bestanden, wurden seit Anfang August geräumt. Zunächst im Raum Lyon, in La Courneuve bei Paris, in Marseille und in der Nähe von Lille. Später auch in Evry, Créteil und Stains, also Trabantenstädten rund um Paris. Dadurch verloren rund 3 000 Menschen vorübergehend ihre Bleibe. Die meisten der Betroffenen mussten sich nach neuen Unterkünften umsehen und hatten oft einen Teil ihres Hab und Guts durch die Bulldozer verloren. Etwa ein Zehntel der Betroffenen wurde nach Südosteuropa abgeschoben. Allein 240 Menschen auf einmal wurden durch einen Sonderflug, der am 9. August in Lyon abhob, nach Bukarest ausgeflogen.

Die Bilder ähnelten vordergründig jenen vom Sommer 2010. Damals waren innerhalb weniger Wochen 300 Romasiedlungen aufgelöst worden, rund 8 000 Personen wurden abgeschoben.

Die diesjährige Sommerkampagne der französischen Behörden gegen die im europäischen Vergleich relativ wenigen Roma im Land – offiziell ist von etwa 15 000 die Rede – hat also nicht dieselbe Intensität erreicht wie die damalige. Auch war der offizielle Diskurs seitens der Regierung, mit dem die Zwangsräumungen und Abschiebungen begleitet wurden, nicht der gleiche. Vor zwei Jahren hielt der damalige Präsident Nicolas Sarkozy Ende Juli eine veritable Brandrede, seine »Rede von Grenoble«. Darin behandelte er in einem Aufwasch das vorgebliche Problem in Gestalt der Roma, jenes der »Ausländerkriminalität« und das der doppelten Staatsbürgerschaft – und setzte zum Generalangriff auf alle Minderheiten an, die der Nation angeblich nur Schwierigkeiten bereiteten.

Von einer solchen Brandrede sind die Regierenden in Frankreich heute weit entfernt. Gleichwohl sieht man wieder Menschen nach dem Einsatz des Bulldozers ohne Bleibe und oft auch ohne Hab und Gut auf der Straße sitzen.

Die Ähnlichkeit der Bilder hätte Innenminister Manuel Valls wohl intendiert. Denn dem Mann, der sich erst im August das Ziel setzte, »die Erfolge der Rechtsregierung bei der inneren Sicherheit zu übertreffen«, kommen Autoritätsbeweise gelegen. In einem Interview vom 14. August in der Tageszeitung Libération antwortete der Innenminister zudem auf jene, die monierten, die Roma würden oft mit der Begründung geräumt, in ihren Siedlungen herrschten schlechte hygienische Verhältnisse, es werde ihnen aber keinerlei bessere Alternative angeboten: »Die Lösung liegt vor allem in den Herkunftsländern.« Also in Südosteuropa, wo die Roma seit langem besonders krasser Diskriminierung ausgesetzt sind.

Im Laufe der Wochen vermischte das Regierungslager in seiner Politik allerdings zwei unterschiedliche Aspekte, einen repressiven und einen eher integrativen. Am 29. August veröffentlichte das Kabinett einen Verordnungstext, der von sechs Ministern unterzeichnet war, darunter die für Inneres und für Soziales. Darin werden Zwangsräumungen von Romasiedlungen grundsätzlich nicht ausgeschlossen. Es wird allerdings auch befürwortet, zuvor möglichst eine Konzertation mit den betroffenen Kommunen sowie mit Solidaritätsvereinigungen und NGOs zu suchen, um den betroffenen Menschen eventuell vorab alternative Unterkünfte zu sichern.

Zudem hebt die Verordnung bisherige Arbeitsmarktbeschränkungen für rumänische und bulgarische Staatsbürger weitgehend auf. Die Staatsangehörigen dieser im Jahr 2007 der Europäischen Union beigetretenen Länder hätten normalerweise noch bis Anfang 2014 in Frankreich nur eine begrenzte Anzahl von Arbeitsplätzen aus einer Liste von 150 Berufen annehmen können. Eine solche Möglichkeit zur teilweisen Abschottung des Arbeitsmarkts gegen die Neubürger der EU hatten sich Frankreich, Deutschland und andere Staaten vor dem EU-Beitritt von Rumänien und Bulgarien ausbedungen. Die Vereinbarungen erlauben die Aufrechterhaltung dieses Sonderstatus allerdings nur noch anderthalb Jahre lang, danach schreibt das EU-Recht die Arbeitnehmerfreizügigkeit auch für Rumänen und Bulgaren vor. Nach dem jüngsten Beschluss tritt diese nun anderthalb Jahre früher in Kraft.

Durch die Mischung aus Repression und einem, jedenfalls vordergründigen, Integrationsangebot auf dem Weg über die Lohnarbeit versucht Valls, sich als einen auf Gerechtigkeit ebenso wie auf Staatsautorität pochenden Politiker zu präsentieren. In anderem Zusammenhang geriet er indessen unter Handlungsdruck.

Seit Jahresbeginn finden in den ärmeren nördlichen Stadtteilen Marseilles Auseinandersetzungen zwischen Dealerbanden statt. Anders als in anderen zu Drogensupermärkten verkommenden sozialen Brennpunkten werden solche Streitigkeiten in den Nordvierteln der Stadt seit einigen Monaten mit Kriegswaffen ausgetragen. Seit Anfang des Jahres sind 14 Tote durch Schüsse aus Kalaschnikows zu verzeichnen. Der Hauptgrund dafür ist, dass sich zwei geopolitische Einflusssphären von Mafiagruppen dort überschneiden – die der untereinander rivalisierenden italienischen Mafia-Organisationen einerseits, der für Drogennachschub aus Marokko und Lateinamerika sorgenden und expandierenden spanischen Mafia andererseits.

Eine sozialdemokratische Bürgermeisterin in den betroffenen Nordvierteln und Senatsabgeordnete, Samia Ghali, forderte Ende August sogar den Einsatz der Armee, um die Kämpfe zwischen den rivalisierenden Banden zu beenden. Dies wurde allgemein zurückgewiesen, von Präsident François Hollande und Innenminister Valls ebenso wie von den Konservativen und sogar offiziell vom Front National, auch wenn in manchen rechtsextremen Kreisen nunmehr munter Phantasien über militärische »Lösungen« verbreitet werden. Die Forderung Ghalis ist dabei einerseits als echter empörter Aufschrei zu werten. Andererseits hat Ghali auch taktische Motive, da sie bei der Kommunalwahl Anfang 2014 als Oberbürgermeisterin von Marseille kandidieren möchte. Und da sie es als Immigrantentochter bislang nachweislich besonders schwer hatte, auch in ihrer eigenen Partei, kam ihr die Gelegenheit, sich relativ spektakulär zu profilieren, nicht ungelegen.

Manuel Valls hat es nun ziemlich leicht, durch seine Zurückweisung des Armeeeinsatzes als besonnener Politiker zu erscheinen. Wie zum Ausgleich gibt er sich aber auch als harter Polizeipolitiker. Das Wahlversprechen François Hollandes, eine Kennzeichnungspflicht für Polizeibeamte einzuführen sowie schikanösen und auf sogenannte ethnische Minderheiten zielenden Kontrollpraktiken einen Riegel vorzuschieben, lehnt Valls inzwischen offen ab. Auch Hollandes Anregung, die Bewohner von sozialen Brennpunkten sollten bei ihrer ersten Kontrolle an einem Tag eine Art Quittung ausgestellt bekommen, um andere – nicht durch einen konkreten Anlass gerechtfertigte – Personalienfeststellungen in den darauffolgenden Stunden zu vermeiden, will Valls nicht aufnehmen.

Quelle: http://jungle-world.com/artikel/2012/36/46192.html

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Abtreibung ist Frauenrecht!

Abtreibung ist Frauenrecht
Mit Lärm und Sünde gegen den Aufmarsch rechter Christen!

Bereits zum dritten Mal soll am 15. September in Zürich der «Marsch fürs Läbe» stattfinden, ein Aufmarsch christlicher AbtreibungsgegnerInnen. Auch diesmal wehren wir uns. Wir haben keinen Bock auf reaktionäre Christen und verlogene Moralpredigten. Verteidigen wir das Recht auf selbstbestimmte Entscheidung! Keine Meter Strasse dem christlichen Fundamentalismus! Ob Kinder oder keine, entscheiden wir alleine!

Filmveranstaltung: 7. Sept. 2012

Gegenmobilsierung: 15. Sept. 2012 – 14 Uhr – Münsterhof ZH

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Industriestrassen-Fest am 25. August

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Bleiberecht-Demo am 6. Oktober 2012 in Luzern

Die Stimmung in der Schweiz wird zunehmend fremdenfeindlich. Asylsuchende werden gezielt schikaniert und es wird gegen sie aufgehetzt.

Deshalb organisieren wir am 6. Oktober 2012 in Luzern eine Demonstration.

In Luzern wurde eine Ausgangssperre für Asylsuchende ab 22:00 Uhr beschlossen. Menschen werden aufgrund ihrer Hautfarbe oder ihrer Religion öffentlich angeprangert und schikaniert. Sie werden als Gruppe verurteilt und nicht mehr als die Individuen wahrgenommen, die sie eigentlich sind. Sie sind keine Menschen sondern Fremde. Durch die Diskussionen im Nationalrat zum Thema Nothilfe oder die Volksinitiative „Gegen Masseneinwanderung“, welche von der SVP im Februar dieses Jahres eingereicht wurde, wird diese Haltung noch verstärkt.

Es scheint als müssten diese Menschen wieder einmal  mehr als Sündenbock und Ventil für die derzeitige wirtschaftliche Verunsicherung herhalten.

Gegen diese Missstände wehren wir uns. Jede und jeder hat das Recht sich frei zu bewegen,  unabhängig von Grenzen oder Herkunft. Wir fordern mehr Toleranz und Respekt.

Die Akzeptanz eines Menschen darf nicht von dessen Herkunft abhängig sein.

So steht auch die Demo am 6. Oktober unter dem Motto: „Bleiberecht für alle.“

Das Bewilligungsgesuch für die Demonstration wurde eingereicht. Organisiert wird sie vom „Bündnis 6. Oktober“, welches sich aus unterschiedlichen Gruppen zusammensetzt.

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Grosse Töne, kleiner Zulauf

Es hätte «einer der grössten patriotischen Aufmärsche der Neuzeit» werden sollen. Schliesslich zogen am letzten Sonntag nur knapp 200 RechtsextremistInnen auf die Kuhwiese ob dem Vierwaldstättersee. Was sich sonst noch rechts tummelt.


Zur Erinnerung: Vor sieben Jahren marschierten noch rund 700 aufs Rütli. Am 1. August 2005 hatten sie den Festredner, SVP-Bundesrat Samuel Schmid, beschimpft und ausgebuht und die traditionelle 1.-August-Feier der Schweizerischen Gemeinnützigen Gesellschaft (SGG) gestört. Die Folge: Seit 2006 ist die SGG-Feier nur noch mit Tickets zugänglich, und die Rechtsextremen verloren die Auftrittsmöglichkeit an der nationalistischen Erinnerungsfeier.

Auf einen jährlichen Rütliausflug wollten die Rechtsextremen allerdings nicht verzichten. In den vergangenen Jahren mobilisierte jeweils die Partei National Orientierter Schweizer (Pnos), dieses Jahr erhielt sie Unterstützung von der Heimatbewegung, der Helvetischen Jugend, der Avalon-Gemeinschaft, der Hammerskin-Unterstützungs­organisation Crew 38 und dem Naziskin-Netz Blood and Honour Schweiz, dazu vom Waldstätterbund und den Kameradschaften Baden-Wettingen, Innerschweiz und Morgenstern, Letztere beheimatet in der Region Sempach. Auf ihrer Homepage hatte auch die Genfer Gruppe Genève Non-Conforme das Flugblatt verbreitet. Die Organisatoren hatten – gemäss der Pnos-Homepage – «seit Wochen per SMS, Facebook und anderen Netzwerken» mobilisiert. Im Klartext: Viel Mobilisierungsarbeit, doch mickriger Aufmarsch.

Die Szene dümpelt vor sich hin

In der Tat, die Deutschschweizer Rechtsextremenszene dümpelt vor sich hin. Zwar sympathisieren – gemäss Erkenntnissen des Nationalforschungsprojekts über Rechtsextremismus – rund vier Prozent der EinwohnerInnen der Schweiz mit antidemokratischen, autoritären und gewaltbereiten Haltungen und Ansichten, auch liebäugelt ein noch grösserer Bevölkerungsanteil mit fremdenfeindlichen und rassistischen Vorstellungen, doch die Rechtsextremen ernten nur wenig Zulauf.

Auch der subkulturelle Rechtsextremismus – insbesondere Naziskinheads – hat an Anziehungskraft für männliche Jugendliche aus Dörfern und Kleinstädten eingebüsst. Auf das Rütli marschierten vergangenen Sonntag auch wenige Naziskinheads, sowohl von Blood and Honour wie auch von den Hammerskins. Doch noch immer reichhaltig ist in der Deutschschweiz das Szeneangebot für rechtsextreme Musik und Literatur, besonders das Angebot an Tonträgern neonazistischer Bands, die Nachfrage ist offenbar gross – zumindest wenn man sich auf die «Ausverkauft»- beziehungsweise «Derzeit ausverkauft»-Hinweise der Anbieter stützt.

Auch der Aufbau politischer Strukturen ist ins Stocken geraten. Die Pnos, gegründet im September 2000, betreibt nur noch Sektionen im Oberaargau, im Emmental und in Basel, dazu noch die Infoportale Aargau und Zürich. Von der Bildfläche verschwunden sind die Sektionen Schwyz, Willisau, Berner Oberland und Freiburg. Die Parteizeitung erscheint seit dem vergangenen Jahr nicht mehr monatlich, sondern nur noch vierteljährlich. Und Mitte Juni 2012 meldete die Partei, dass sie auf weitere Wahlbeteiligungen verzichten werde. Man erhoffe sich, «die Strukturen innerhalb der Partei zu festigen». Offen sei, wann die Partei «an den nächsten Wahlen» teilnehmen werde.

Die Pnos hatte seit ihrer Gründung eine dünne Personaldecke, allerdings konnte sie die vielen Abgänge jeweils ersetzen. Seit kurzem ist die Parteispitze nun ausschliesslich Männersache. Denise Friedrich, die einzige Frau im Bundesvorstand, trat vor wenigen Monaten «aus persönlichen Gründen» zurück. Wie stark die Parteiarbeit mit dem Engagement einzelner Aktivsten verknüpft ist, demonstrierte vor einem Jahr Michael Vonäsch, einst Vorsitzender der inzwischen inaktiven Pnos-Sektion Willisau. Er beklagt zuerst, dass «praktisch alles an [ihm] hängen» geblieben sei. Dann bedankt er sich bei «den wenigen Personen», die die Partei in den letzten Jahren «immer tatkräftig unterstützt» hätten. Den politischen Träumen kann er aber nicht entsagen. Er liebäugelt mit der Gründung einer «starken, nationalen Kantonalpartei». Er denkt dabei an «die Schweizer Demokraten und einige Exponenten der JSVP». Er übersieht: Rechts der SVP gibt es in der Schweiz keine Aussicht mehr auf politischen Erfolg.

Nur in Zürich soll es für die Pnos aufwärtsgehen. Ein bis anhin unbekannter ­«T. Schüler», «Verwalter» des ­Pnos-Infoportals Zürich, berichtet von einem «deutlichen Anstieg von Mitgliedern und Interessenten». Er muss bescheiden sein, zur Gründung einer Ortsektion reicht es noch (?) nicht, trotz der «tatkräftigen Unterstützung» (Pnos-Infoportal Zürich) durch die Europäische Aktion (EA), angeführt vom Holocaustleugner Bernhard Schaub. Die Frage wird sein, ob dies trotz unterschiedlicher politischer Vorstellungen möglich ist. Die EA will die natio­nalen Grenzen überschreiten. Sie strebt ein nationalsozia­listisches Europa an. Bereits sollen «Landesweiter» in mehreren Ländern tätig sein. Anfang September will die EA «im südwestdeutschen Sprachraum» ein grosses «Europafest» durchführen.

Viel Aktivismus in der Region Genf

Rechtsextreme pflegen Kontakte meist innerhalb ihrer Sprachregionen. Auch auf dem Rütli blieben die Deutschweizer Rechtsextremen weitgehend unter sich, trotz der Rede des Westschweizers Philippe Brennenstuhl. Unterschiedlich ist auch die Entwicklung in den beiden Landesteilen: Stagnation, ja Rückgang in der Deutschschweiz, seit Monaten jedoch viel Aktivismus in der Region Genf. Vier Gruppen sind dort aktiv, erst Anfang Juni gründeten sich die Gruppe Égalité et Réconciliation (E&R), als «Linke der Arbeit und Rechte der Werte, für eine nationale Aussöhnung» («gauche du travail, droite des valeurs, pour une réconciliation nationale»). E&R-Sektionen, gegründet von Alain Sorel, einst Kommunist, später im nationalen Vorstand des Front National, bestehen bereits in mehreren französischen Regionen.

Auch die Gruppe Genève Non-Conforme verknüpft die Klage über den ungerechten Kapitalismus mit europazentrierten und rassistischen Ansichten, opportunistisch als «Kampf gegen die Globalisierung» umschrieben. Sie orientiert sich an den Vorstellungen einer neofaschistischen Bewegung um das Römer Zentrum Casapound, in einem besetzten Haus, in dem Wohnungen ausschliesslich italienischen Staatsbürgern vorbehalten sind. Direkt eingebunden in französische Zusammenhänge sind die Jeunes identitaires genevois und die Naziskingruppe Artam Brotherhood. In den vergangen Monaten machen sich die Identitaires in Genf kaum noch bemerkbar. Anders die Artam Brotherhood: Sie lädt ihre Anhänger auch zum wöchentlichen Kampftraining.

Quelle: http://www.woz.ch/1232/rechtsextremismus/grosse-toene-kleiner-zulauf

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