Kundgebung gegen ruinöses Sparen am 22.11 in Luzern

Platzkundgebung gegen Sparen bei Sozialem, im Bildungsbereich und beim Service Public. Setzen wir gemeinsam ein starkes Zeichen für die Schwächsten in unserer Gesellschaft!

sparmassnahmen

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Abgehängter Osten

In Israel eskalieren die Konflikte zwischen der jüdischen und der arabischen Bevölkerung. Sie sind unter anderem in der sozialen Ungleichheit begründet. Zudem nehmen Terroranschläge wieder zu.

»Hitlakchut«, das Aufflammen oder Entzünden eines Brandes, so lautet das Schlagwort israelischer Medien für die Massenproteste in den arabischen Städten des Landes, die vergangene Woche eskalierten. Der entscheidende Anlass war die Tötung des 22jährigen Kheir Hamdan in der Nacht zum Samstag in der arabischen Stadt Kafr Kanna in Nordisrael. Nachdem Hamdan mit einem Messer auf die Scheiben eines Polizeifahrzeugs eingehackt hatte, streckte ein Polizist den zurückweichenden Angreifer mit Schüssen in den Oberkörper nieder. Als ein Video des Vorfalls auftauchte, das die offizielle Polizeimeldung, es habe sich um Notwehr gehandelt, zu widerlegen scheint, kam es seit dem Wochenende in ganz Israel zu teils gewaltsamen Demonstrationen arabischer Einwohnerinnen und Einwohner. Sie sahen in dem Vorfall ein Beispiel rassistischer Polizeigewalt; wenn es um arabische Einwohner gehe, seien Polizisten »schnell am Abzug«. Dass Ministerpräsident Benjamin Netanyahu erklärte, denjenigen, die den Staat delegitimierten, müsse die Staatsbürgerschaft entzogen werden, sorgte nicht für Entspannung. Bestätigte er doch, was viele arabische Israelis immer wieder behaupten: dass ihre Staatsbürgerschaft und ihre Rechte nur pro forma und auf Abruf gelten.

Die wichtigste Ursache für die sich nun entladende Frustration insbesondere der Jugendlichen und jungen Erwachsenen ist die soziale Ungleichheit entlang der ethnoreligiösen Grenzen. Mehr als die Hälfte der arabischen Bevölkerung gilt als arm, während in der Gesamtbevölkerung ein gutes Fünftel als arm eingestuft wird. Das durchschnittliche Einkommen arabischer Israelis lag 2008 etwa ein Drittel unter dem jüdischer Einwohner. Die staatlichen Ausgaben für arabische Kinder betrugen in den vergangenen Jahren nur die Hälfte der entsprechenden Ausgaben für jüdische Kinder. Insbesondere im Bereich der staatlichen Ausgaben für Infrastruktur und Bildung bestehen große Unterschiede zwischen beiden Bevölkerungsgruppen.

In Jerusalem eskalierte die Lage bereits vor Monaten. In den vergangenen drei Wochen fanden dort unter anderem zwei nationalistisch-islamistische Terroranschläge mit drei Toten statt, woraufhin der Zugang zum Tempelberg eingeschränkt wurde. Auch in Tel Aviv und der Westbank kam es seitdem zu mehreren Anschlägen mit Verletzten und Toten. Als Beginn der Eskalation kann die Entführung und Ermordung der jüdischen Schüler Naftali Frenkel, Gilad Shaer und Eyal Yifrah durch eine Zelle der Hamas Hebrons im Juni gelten, als Vergeltungsschlag ermordeten jüdische Extremisten Anfang Juli den 16jährigen Palästinenser Mohammed Abu Khdeir. Seit Juni ist keine Woche vergangen, ohne dass es in Ostjerusalem zu Ausschreitungen und folgenden Massenverhaftungen und in Westjerusalem zu Angriffen auf arabische Zivilisten gekommen ist.

Israelischen Medien zufolge ist die Stimmung in der Stadt endgültig umgeschlagen. Palästinensische und jüdische Anwohner berichten dies auch der Jungle World. Habe man etwa in den vergangenen Jahren junge Palästinenser treffen können, die neben arabischen auch hebräische Popsongs in den Musikanlagen ihrer Autos spielen, sei das mittlerweile undenkbar, heißt es unter den Anwohnern. Aus den Lautsprechern dröhnten eher nationalistische und Hamas-Propagandalieder. Islamisten würden ihre Propaganda verstärken und versuchen, die Auseinandersetzung um den Tempelberg eskalieren zu lassen. Jüdische Israelis würden arabische Stadtviertel meiden, nur eine stetig wachsende Zahl jüdischer Siedler bewege sich dort – bewaffnet. Gleichzeitig komme es in Westjerusalem zu verbalen und physischen Attacken auf arabische Israelis und Palästinenser, weshalb viele von ihnen jene Stadtteile meiden würden. Rechtsex­treme würden mit rassistischer Hetze im Internet und auf der Straße die Lage weiter befeuern. Wegen der Eskalation nicht nur der politischen Hetze und Gewalt in Israel – im Zuge des Gaza-Kriegs im Sommer gab es auch eine neue Qualität rechtsextremer Angriffe auf linke Aktivisten und arabische Zivilisten – sah sich nun der israelische Präsident Reuven Rivlin zu scharfen Worten veranlasst: Es gebe Gewalt auf den Fußballplätzen, in sozialen Netzwerken, im Alltag, in Krankenhäusern und in Schulen. Es sei Zeit, »ehrlich zuzugeben, dass die israelische Gesellschaft krank ist – und dass diese Krankheit behandelt werden muss«.

Die Agitation rechtsextremer beziehungsweise fundamentalistischer, teilweise messianistischer Gruppen mit dem Ziel einer jüdischen »Rückeroberung« des Tempelbergs und der Zerstörung der muslimischen Kultstätten hat zuletzt weiter zugenommen. Zudem stellten Mitglieder der rechten Regierung verbal und durch Besuche »den Status quo auf dem Tempelberg« in Frage, darunter die stellvertretenden Minister Uri Ariel und Tzipi Hotovely sowie Moshe Feiglin und Miri Regev. Die Anhänger der Hamas und des Islamischen Jihad in Jerusalem versuchen wiederum seit Wochen, aus der propagandistischen Ausschlachtung der Tempelberg-Debatte politisches Kapital zu schlagen, sich als »Verteidiger der al-Aqsa-Moschee« in Szene zu setzen und die Palästinensische Autonomieregierung (PA) unter Mahmoud Abbas zu delegitimieren. Die PA hat im vorigen Jahr nach dem Scheitern der Verhandlungen des Friedensprozesses unter Vermittlung des US-Außenministers John Kerry an Ansehen eingebüßt und steht in der Westbank unter großem Legitimationsdruck. Wird die Hamas im Gaza-Streifen von einer Mehrheit der Bevölkerung kritisiert, gilt das für Abbas’ Organisation Fatah in der Westbank. Der Vorwurf, Abbas gebe al-Aqsa auf – das wohl bedeutendste Symbol für religiöse, nationalistische und islamistische Identitätspolitik in den palästinensischen Gebieten –, ist daher eine gefährliche Waffe in der Hand von Hamas und Islamischem Jihad. Es ist kein Zufall, dass gerade der jüdische Fundamentalist Yehuda Glick auf dem Heimweg von der Konferenz »Israel kehrt zurück auf den Tempelberg« Opfer eines Mordanschlags wurde.

Doch die Situation wird einigen israelischen Kommentatoren zufolge erst durch folgenden Fakt gefährlich: Die jüngste Eskalation in Ostjerusalem beruhe gerade auf der Mobilisierung größerer Teile der Jugendlichen und jungen Erwachsenen jenseits von ideologischen oder organisatorischen Strukturen der islamistischen Gruppen, aber auch der Fatah. Auch hier stellt die Frustration der jüngeren Bewohnerinnen und Bewohner der sozial abgehängten Stadtviertel den Nährboden dar. Im Osten Jerusalems werden Investitionen in Infrastruktur und Bildung vernachlässigt. Existierten in Westjerusalem vor drei Jahren etwa 1 000 Grünanlagen und Parks, gab es im arabischen Osten der Stadt nur etwa 50; 531 Sporteinrichtungen im Westen standen 33 im Osten der Stadt gegenüber; auf 26 öffentliche Bibliotheken im Westen kamen zwei im Osten. Einer Schulabbrecherquote von acht Prozent im Westen steht eine von fast 80 Prozent im Ostteil gegenüber.

Die aktuellen Konflikte um den »Tempelberg« laden die ethnoreligiösen und ideologisierten Konflikte zusätzlich auf. Es ist diese Gemengelage aus sozialer Frustration, politischen Konflikten und radikaler Hetze auf beiden Seiten, die die Situation unbeherrschbar macht, und auf die die ideologisch motivierten Terroranschläge der vergangenen Tage treffen.

Quelle: http://jungle-world.com/artikel/2014/46/50906.html

 

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Kundgebung “Solidarität mit Rojava/Kobane” am Samstag in Luzern

Das Solidaritätskomitee Rojava – Luzern ist Teil der weltweiten Bewegung zur Unterstützung der selbstverwalteten Region Rojava und ihrer Stadt Kobane. Es ruft für Samstag zu einer Kundgebung in Luzern auf.

Kundgebung “Solidarität mit Kobane/Rojava”, SA, 15.11.2014, 17.30, Kapellplatz, Luzern

posterkobaneRojava ist ein selbstverwaltetes Gebiet in Nordsyrien, bestehend aus den drei Kantonen Efrîn, Kobanê und Cizîrê. Die kurdischen Kämpfer/innen der Volksverteidigungseinheiten YPG verteidigen seit Monaten das Gebiet gegen die Angriffe des IS. Die Türkei blockiert aus politischen Interessen die Versorgungswege nach Rojava.

 

Rojava wird basisdemokratisch verwaltet. Eine zentralistische Regierung gibt es nicht. Alle in der Region lebenden Völker, unabhängig von Ethnie, Religion oder Sprache, sind in einem Volksrat vertreten. In der Verwaltung gilt eine Frauenquote von 40%. Rojava ist ein Rückzugsgebiet für alle Ethnien und Minderheiten, die in der Region unterdrückt oder verfolgt werden – Araber, Armenier, Assyrer, Aleviten, Yeziden, Christen. Ziel ist der Aufbau einer basisdemokratischen, multiethnischen und ökologischen Gesellschaft. Rojava bringt Hoffnung in eine von Kriegen erschütterte Region.

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Rechtsextreme Hooligans formieren sich in der Schweiz

Die Bremer Hooligan-Band „Kategorie C“ plant ein Geheimkonzert in der Stadt Basel. Rechte Kreise sehen den Auftritt als Startschuss für eine antimuslimische Bewegung nach deutschem Vorbild.

kategoriecNeonazis und Hooligans feiern die Proteste als «Wunder von Köln». Die antimuslimische Kundgebung unter dem Motto «Hooligans gegen Salafisten (HoGeSa)» mobilisierte fast 5000 Rechte. Mitten in der Stadt grölten sie rassistische Parolen und machten Jagd auf Linke und Polizisten. Bilanz: 49 Verletzte und kaum 20 Verhaftete.

Die Krawalle von Köln strahlen jetzt auch auf die Schweiz aus. Auf Facebook und in einschlägigen Foren loben rechtsextreme Aktivisten den «Mut der Deutschen» und kündigen an, dass bald auch «die Schweiz erwacht». Am 15. November soll der Startschuss für eine Bewegung nach deutschem Vorbild fallen. An diesem Tag plant die rechtsextreme Hooligan-Band «Kategorie C – Hungrige Wölfe» ein Geheimkonzert im nordschweizerischen Basel.

Kategorie C trat an HoGeSa-Demo in Köln auf

Die Rechtsrock-Gruppe aus Bremen spielt eine zentrale Rolle im HoGeSa-Netzwerk. Kurz bevor der Mob in Köln auf Polizisten losging, spielte sie unter anderem ihr Lied «Hooligans gegen Salafisten». In Anspielung auf Muslime sang der Frontmann Hannes Ostendorf: «Heute schächten sie Schafe und Rinder, morgen vielleicht schon Christenkinder.» Der Song avancierte in den vergangenen Wochen zur Hymne der HoGeSa-Bewegung, auf YouTube wurde er bereits mehr als 250 000 Mal angeklickt.

Kategorie C gilt als musikalisches Bindeglied zwischen Hooligans, Neonazis und der Rocker-Szene. Der Bremer Verfassungsschutz schreibt in seinem aktuellsten Bericht: «Die Konzerte tragen zur Mobilisierung und zum Zusammenhalt der Szene bei, schaffen die Möglichkeit zum Kontakt und geben Gelegenheit zur Rekrutierung von Sympathisanten.» Der Bandname ist angelehnt an die polizeiliche Einteilung von Fußballfans in die Kategorien A, B und C. C steht für Gewalt suchende Fans.

Schweizer Neonazis setzen auf Kult-Status der Band

Noch ist nicht klar, wo genau die Band auftreten will. Aus gutem Grund: Vergangene Konzerte wurden wiederholt verboten und polizeilich verhindert. Die Basler Sicherheitsbehörden wissen von der Veranstaltung, wollen sich aus taktischen Gründen aber nicht dazu äußern.

Ob es den Aktivisten gelingen wird, antimuslimische Proteste wie in Deutschland anzuzetteln, bleibt fraglich. Zwar hat insbesondere Basel eine vergleichsweise große Hooliganszene, rechtsextreme Tendenzen spielen darin aber eine verschwindend kleine Rolle. Umso mehr dürften Neonazis versuchen, den Auftritt der rechten Kult-Band als Starthilfe zu nutzen. Parallel soll am 15. November die nächste „HoGeSa“-Demonstration in Hannover veranstaltet werden. Wegen des Rückzugs des Versammlungsleiters ist derzeit unklar, ob die Demo tatsächlich stattfinden wird.

Quelle: http://blog.zeit.de/stoerungsmelder/2014/11/07/rechtsextreme-hooligans-formieren-sich-in-der-schweiz_17483

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Demo gegen Gentrifizierung in Bern, 13.11.2014

Letzte Woche hat Regierungsstatthalter Lerch eine Beschwerde der FdP gutgeheissen und somit den Stadtratbeschluss vom September 2013 für nichtig erklärt, der das Prestigeprojekt des Gemeinderats stoppen wollte und der Stadt noch einmal die Gelegenheit geboten hätte, ihr ursprüngliches Versprechen für die Errichtung von günstigem Wohnraum in
der Lorraine einzulösen.

Obwohl vor Bundesgericht noch eine Einsprache hängig ist, hat Regierungsstatthalter Lerch diesen umstrittenen Entscheid gefällt und somit den Weg frei gemacht für das Projekt Baumzimmer. Doch wir wehren uns weiter gegen dieses Projekt, mit dem die Gentrifizierung in der Lorraine – also die immer teurer werdenden Wohnungen und die Verdrängung von Wenigverdienenden – weiter voranschreiten würde.

Es ist nun wieder an der Zeit, den Widerstand auf die Strasse zu tragen und zu zeigen, dass wir dieses städtische Luxusbauprojekt nicht wollen.
Je mehr Leute an der Demonstration teilnehmen, desto stärker ist das Zeichen, das wir im Rathaus hinterlassen.

Wir fordern den Verzicht auf das gemeinderätliche Prestigeprojekt Baumzimmer und die Abschreibung der entstandenen Kosten!

Wenn Immo Bern es nicht fertig bringt, eine dem Quartier angemessene Planung durchzuführen, sollen sie das Grundstück einem gemeinnützigen Wohnbauträger abgeben.

Die Stadt ist unser Lebensraum – das Quartier sind wir, hier bauen wir!

*Bringt Lärminstrumente mit!*

Nachbarschaftskomitee Lorraine u.a., 5. November 2014

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Mondoj Soliabend – Hand in Hand für Rojava

mondoj-soliAm Mittwoch, 5. November im Neubad Luzern

Informationsabend über die Revolution in Rojava
und über den Widerstand in Kobanë.

Mit Kurdischen Spezialitäten

Ab 19.00 Uhr im Bistro
Kosten: Solidaritätskollekte

An jedem ersten Mittwoch des Monats findet der Solidaritäts-Abend von, mit und für MONDOJ statt. MONDOJ ist ein Luzerner Kollektiv von Menschen mit oder ohne Pass.

Rojava ist ein autonom verwaltetes Gebiet (ehemals zu Syrien gehörend), das durch kurdische Freiheitskämpfer_innen befreit wurde. Die Verwaltung findet auf basisdemokratischer Ebene statt. Alle in der Region lebenden Völker, unabhängig von Ethnie, Religion oder Sprache, sind im Volksrat vertreten. Es besteht eine Frauenquote von 40% in der Verwaltung. Das ist nicht nur im Mittleren Osten einzigartig. Es gibt Frauenzentren, in denen Selbstorganisierung und Empowerment stattfindet. Eine zentralistische Regierung gibt es nicht. Die Region orientiert sich stark an anarchistischen Ideen, so flossen in der konkreten Umsetzung des Projektes Ideen von Bakunin, Kropotkin, aber auch Zerzan ein. Rojava ist ein sicher…er Hafen für alle Ethnien oder Minderheiten, die in der Region unterdrückt oder verfolgt werden – Araber, Sunniten, Armenier, Assyrer, Aleviten, Yeziden (darunter z.B. auch christliche Minderheiten). Ebenfalls setzt sich die Region gegen die Diskriminierung von Homo- und Transsexuellen ein. Ziel ist der Aufbau einer rätedemokratischen, ökologischen und geschlechterbefreiten Gesellschaft. Das Projekt ist als solches einzigartig auf der Welt und die Region gilt als eines der sichersten Gebiete in Syrien, auch, weil sie bewaffnet verteidigt wird. In der aktuellen Situation ist Rojava von allen Seiten bedroht. Einerseits durch den IS, welchem Rojava ein Dorn im Auge ist. Andererseits von Regierungen wie der Türkei, Syrien, oder den USA, für die Rojava ein politischer Spielball zur Wahrung der eigenen Interessen ist: seien es Ressourcen (Rojava ist reich an Erdöl und gleichzeitig die Kornkammer Syriens) oder strategische Interessen wie die Lage als Grenzgebiet. Insbesondere aber haben die genannten Regierungen kein Interesse an den alternativen Strukturen, die hier aufgebaut werden. Unter diesen Bedingungen zu bestehen ist nicht leicht. Umgebende Regierungen kontrollieren die Grenzen und verhindern Import und Export. Es fehlt an Lebensmitteln, Medikamenten, medizinischer Versorgung, Unterkünften. Die Stromversorgung wurde durch den IS gekappt. Damit ist auch die Wasserversorgung zusammengebrochen. Rojava ist als autonomes, basisdemokratisches Projekt akut bedroht und damit alle Menschen, die hier Zuflucht und Hoffnung gefunden haben.

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ZH: Demo für Kobanê/Rojava 1.11. 15h

Globale Rally für Kobane!

Demonstration in Zürich anlässlich des internationalen Aktionstags für Kobanê/Rojava: Samstag, 1. November 15.00 Uhr Helvetiaplatz.

kobane2Im Januar dieses Jahres haben die Kurd_innen in Westkurdistan (Rojava) kommunale Selbtverwaltungen in drei Kantonen Syriens aufgebaut. Eines dieser drei Kantone ist Kobane. Die türkische Grenze liegt im Norden von Kobane und alle anderen Seiten sind von ISIS-kontrollierten Gebieten umgeben. Der ISIS hat sich den Grenzen Kobanes mit schweren Waffen aus den USA genähert. Hunderttausende von Zivilisten werden durch den brutalsten Genozid der modernen Geschichte bedroht. Die Menschen von Kobane versuchen mit leichten Waffen den brutalsten Angriffen von ISIS-Terroristen zu widerstehen nur mit Hilfe der Volksverteidigungseinheiten in Westkurdistan YPG und YPJ, aber ohne irgendeine internationale Hilfe.

Die sogenannte internationale Koalition im Kampf gegen ISIS hat dem Widerstand der YPG/YPJ nicht effektiv geholfen, obwohl diese Staaten Zeugen des andauernden Genozids sind, der gegen Kobane ausgeführt wird. Sie haben ihre wirklichen internationalen rechtlichen Verpflichtungen nicht erfüllt. Einige Staaten in dieser Koalition, insbesondere die Türkei, gehören zu den finanziellen und militärischen Unterstützern der ISIS-Terroristen im Irak und in Syrien.

Demokratische Autonomie verspricht eine freie Zukunft für alle Menschen in Syrien. In dieser Hinsicht ist das “Modell Rojava” – die säkulare, nicht sektiererische, demokratische Haltung in Rojava das Modell, das Einheit in Vielfalt praktiziert.

Weitere Infos:
 http://civaka-azad.org/internationaler-aktionstag-fuer-die-solidaritaet-mit-kobane

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01.11: Demo: Antinational statt pseudosozial! – Bern Bundesplatz (Ecke Bärenplatz), 15.00

Am 1. November demonstriert ein breites Bündnis um UNIA, SP und Grüne gegen die Ecopop-Initiative. Dabei lässt sich das Bündnis auf nationalistische, rassistische und vor allem kapitalistische Argumentation herunter. Dagegen demonstrieren wir am gleichen Tag mit einer Demo durch Bern! Antinational statt pseudosozial!

Antinational statt pseudosozial!

antinat2Wenn Migrant*innen für Klimaprobleme oder Überbevölkerung verantwortlich gemacht werden, hat das einen Namen: Rassismus. Einwanderung in die Schweiz zu begrenzen, um die Umwelt und Wirtschaft der Schweiz angeblich zu schützen, ist nationalistisch. Die Geburtenraten im globalen Süden von aussen steuern zu wollen, ist faschistoid und nichts als eine Scheinlösung.

Die Gründe für Umwelt- und Sozialkrisen liegen im kapitalistischen Wirtschaftssystem und nicht darin, dass die Weltbevölkerung zu gross wäre und deshalb die Ressourcen nicht für alle reichen könnten.

Rassismus und Nationalismus gehören längst zum Selbstverständnis jeglicher offiziellen Politik. Sie spalten die Lohnabhängigen und sind Schmiermittel des Kapitalismus. Dieser zwingt Lohnabhängige aller Welt, sich auf dem globalisierten Arbeitsmarkt zu konkurrenzieren und auf Schlachtfeldern zu bekriegen.

Auch Linke und Gewerkschaften argumentieren gegen Ecopop nur innerhalb der kapitalistischen Wirtschaft und nehmen die nationalen Grenzen als Selbstverständlichkeit hin. Innerhalb dieses Denkens kann sich nichts Grundlegendes an den Problemen dieser Welt ändern.

Durch die Gassen – gegen Nationalismus, Rassismus und Kapitalismus!
Besammlung: 1. November, 15 Uhr, Bundesplatz (Ecke Bärenplatz), Bern

Version francaise:

Ecopop : pour un non antinational à la place d’un non pseudo-social

Quand on désigne les immigré.e.s comme responsables des problèmes climatiques et de la pression démographique, cela porte un nom: le racisme. Limiter l’immigration en Suisse pour préserver l’environnement et l’économie helvétiques relève du nationalisme. Prétendre réguler le taux de natalité des pays du sud est une fausse solution et rappelle le colonialisme ou le fascisme.

Les raisons des crises sociales et écologiques se trouvent dans le fonctionnement du système économique capitaliste et non dans une prétendue réduction de notre „espace vital“ qui priverait la population suisse des ressources nécessaires à sa subsistance.

Racisme et nationalisme appartiennent à l’ADN de la politique suisse depuis les années 1930 au moins. Il s’agit de deux armes de division massive de la classe des travailleurs/-euses et qui contribuent à faire tourner le capitalisme. Celui-ci contraint les travailleurs/-euses à se concurrencer brutalement sur le marché du travail mondialisé.

Certains milieux de la gauche institutionnelle et des syndicats combattent Ecopop avec une argumentation ambigue qui fleure bon le patriotisme économique et le chauvinisme social. Ecopop serait nocive au bon développement de la place économique suisse. Une telle perspective empêche de comprendre les vrais enjeux liés à l’instrumentalisation politique des sentiments identitaires et du racisme: diviser, contrôler et brider les travailleurs/-euses pour faire du fric, toujours plus de fric!

Nos vies et notre dignité valent mieux que leurs profits. Toutes et tous dans la rue le 1er novembre, contre le nationalisme, le racisme et le capitalisme. Nous voterons toutes et tous avec nos pieds.

Manifestation: 1er novembre, 15h, Place fédérale (côté Bärenplatz), Berne

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Unfall oder Anschlag?

serenaDer Tod einer Journalistin bei einem Autounfall in der Südosttürkei nahe der Grenze zu Syrien wirft Fragen auf. Die 30jährige US-amerikanische Journalistin libanesischer Herkunft Serena Shim berichtete für den staatlichen iranischen Auslandsfernsehsender Press TV unter anderem aus dem Irak, dem Libanon, der Ukraine und der Türkei. Sie hielt sich im türkisch-syrischen Grenzgebiet auf, um über die Kämpfe zwischen der Miliz »Islamischer Staat« (IS) und kurdischen Volksverteidigungseinheiten YPG um die Stadt Ain Al-Arab (Kobani) im Norden Syriens zu berichten. Auf der Rückfahrt von der Grenze zum Hotel stieß ihr Wagen bei der Kreisstadt Suruc am vergangenen Sonntag mit einem Betonfahrmischer zusammen. Die Journalistin wurde dabei getötet, ihre Kamerafrau Judy Irish verletzt.

Schuld an dem Unfall sei allein Irish als Fahrerin des Wagens gewesen, heißt es im offiziellen Bericht, den die für ländliche Regionen zuständige Militärpolizei Jandarma am Freitag vorlegte. Irish sei zu schnell in eine Kurve gefahren und in den Gegenverkehr geraten. Den Fahrer des Lastwagens, der vorübergehend festgenommen und verhört worden war, treffe keine Mitverantwortung.

Als »äußerst suspekt« hatte dagegen der Leiter der Nachrichtenabteilung von Press TV, Hamid Reza Emadi, noch vor Bekanntgabe des Jandarma-Reports die Todesumstände der Journalistin bezeichnet. »Es handelt sich möglicherweise um eine Folge ihrer kritischen Enthüllungsreports über die wechselseitige Einflussnahme von türkischen und saudischen Politikern auf syrische Flüchtlinge.« So hatte Shim über die Unterstützung der Türkei für die dschihadistischen Kämpfer recherchiert und berichtet, wie diese unter der Tarnung humanitärer Hilfskonvoys wie der »World Food Organization« oder auch türkischer NGOs die Grenze nach Syrien überquerten. Entsprechende Beweisfotos lägen ihr vor, gab Shim an.

Zwei Tage vor ihrem Tod hatte Shim in einer Liveschaltung gegenüber Press TV beklagt, der türkische Geheimdienst MIT würde sie gegenüber Einheimischen als Spionin diffamieren. »Ich mache mir etwas Sorgen, was der MIT gegen mich unternehmen könnte«, erklärte Shim und äußerte die Befürchtung, verhaftet zu werden. Derartige Befürchtungen sind in der Türkei, wo in den letzten Jahren Dutzende Mitarbeiter regierungskritischer Medien unter Terrorismusvorwürfen festgenommen wurden, nicht unberechtigt. Erst vor zwei Wochen hatte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan generell ausländische Journalisten und Menschenrechtsaktivisten der Agententätigkeit bezichtigt. Drei deutsche Fotojournalisten, die über Proteste gegen die IS-Unterstützung durch die türkische Regierung berichteten, waren in Diyarbakir vorübergehend unter Spionagevorwurf festgenommen worden. Vergangene Woche wurde zudem ein langjähriger Mitarbeiter der kurdischsprachigen Tageszeitung Azadiya Welat in Adana beim Verteilen von Zeitungen von zwei Männern auf einem Motorrad offenbar gezielt erschossen.Der Gouverneur der Provinz Sanliurfa, Izzetin Kücük, wies die Anschuldigungen von Press TV, staatliche Kräfte könnten in den Tod von Shim verwickelt sein, als »gänzlich haltlos« zurück. »Für einen Anschlag können wir derzeit keine Beweise erbringen«, erklärte auch ein Vorstandsmitglied der linken prokurdischen Partei der Demokratischen Regionen (DBP) aus Sanliurfa gegenüber junge Welt. Einen staatlichen Mord an der Journalistin hält der Politiker aufgrund bisheriger Erfahrungen dennoch für denkbar. »Der türkische Staat arbeitet in solchen Fällen sehr professionell.«

Shim wurde am Mittwoch in Beirut beerdigt. Sie hinterlässt zwei Kinder.

Quelle: https://www.jungewelt.de/schwerpunkt/unfall-oder-anschlag

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Spiel mit zwei Feuern

Für die türkische Regierung ist der »Islamische Staat« nicht der eigentliche Feind. Hilfe für die belagerte Stadt Kobanê ist von ihr nicht zu erwarten.

Tagelang hat man diese Bilder gesehen: türkische Panzer, die ihre Kanonen auf Syrien gerichtet haben, direkt auf die umkämpfte Stadt Kobanê. Daneben steht dann normalerweise etwas wie: »Sie haben noch keinen Einsatzbefehl«, oder in der Süddeutschen Zeitung sogar: »Der türkische Außenminister bittet um Unterstützung für eine Bodenoffensive.« Betrachtet man aber die Aus­sagen türkischer Regierungspolitiker, so wird rasch klar, dass die Panzer bereits einen Einsatzbefehl haben, nämlich einen Rückzug der kurdischen Miliz auf türkischen Boden zu verhindern. Die Pläne des türkischen Außenministers Mevlüt Çavuşoğlu haben nichts mit dem Schutz der Stadt zu tun. Flüchtlinge lässt man entweichen, auch ein paar verletzte Kämpfer konnten in der Türkei behandelt werden, doch gegen den Vormarsch des »Islamischen Staats« (IS) unternimmt man nichts.

Das wird schon aus einer weiteren Forderung klar, der nach Einrichtung einer Flugverbotszone. Diese würde den IS nicht behindern, sondern er könnte bei seinen gelegentlichen Kämpfen mit den Truppen des syrischen Regimes sogar davon profitieren. Außerdem ist die Forderung politisch derzeit kaum durchsetzbar, da China und Russland einen entsprechenden Beschluss des UN-Sicherheitsrats verhindern würden. Dazu kommt eine Bewertung der Situation in Syrien, die sich doch sehr von der westlichen Sicht unterscheidet. Zuerst preschte Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan vor und sagte, für die Türkei seien der IS und die PKK das Gleiche. Dasselbe gilt auch für die kurdische Miliz YPG, die Kobanê verteidigt. Ministerpräsident Ahmet Davutoğlu fügte eine Woche später hinzu, der syrische Präsident Bashar al-Assad und der IS seien das Gleiche.

Ganz ernst gemeint sind diese Gleichsetzungen allerdings nicht, denn bei aller pflichtschuldigen Verurteilung des IS sieht man ihn nicht als das ganz große Übel. So konnte noch am 7. Oktober Emrullah İșler, der immerhin eine Zeitlang stellvertretender Ministerpräsident war, twittern, der IS würde zwar töten, aber »wenigstens nicht foltern«. Das entspricht der Linie der Regierungsfraktion, den IS in der einen oder anderen Weise zu entschuldigen.

Es ist genau diese Haltung der Türkei, die Kobanê dem IS ausliefert. Kobanê ist der mittlere von drei Kantonen entlang der türkisch-syrischen Grenze, die die kurdische Partei der Demokratischen Einheit (PYD) zusammen mit weit weniger bedeutenden arabischen und christlich-assyrischen Kräften besetzt hat, wobei man sich mit Resten des Assad-Regimes einigen konnte. Die islamistische al-Nusra Front und der IS waren immer erbitterte Gegner der Kurden. Diese leben überwiegend in den Enklaven an der Grenze zur Türkei, weil nach einem gescheiterten Aufstand im Jahre 1925 ein großer Teil ihrer Vorfahren nach Syrien geflohen ist.

Dass der IS gerade Kobanê angreift, hat nichts mit der angeblich herausragenden strategischen Bedeutung der Stadt zu tun. Der westliche Kanton Efrîn liegt nahe bei Aleppo und könnte Hilfe von anderen syrischen Oppositionsgruppen bekommen, die mit dem IS verfeindet sind. Die östliche Enklave um Qamișlo ist wesentlich größer und reicht bis an die irakische Grenze. Von dort könnte sie Unterstützung bekommen. Kobanê kann von nirgendwoher Hilfe bekommen, es sei denn aus der Luft oder über die Türkei. Während der IS seine Streitmacht nach Belieben an jedem Punkt konzentrieren kann, müssen die Kurdinnen und Kurden mit den Kräften an Ort und Stelle auskommen. Es fehlt an Verstärkungen, aber auch an Lebensmitteln und Munition im Kampf gegen einen ohnehin deutlich besser bewaffneten Gegner.

Bei dieser Einschließung spielt die Einstufung der kurdischen Miliz YPG als terroristisch durch die Türkei eine entscheidende Rolle. Vertreter der türkischen Regierung sagen, sie könnten Verstärkung der YPG nicht über die Grenze lassen, da sie gesetzlich verpflichtet seien, Terroristen zu bekämpfen. Waffenlieferungen nach Kobanê werden aus dem gleichen Grund nicht zugelassen. Dass auch der Präsident der Autonomen Region Kurdistan im Irak, Massoud Barzani, bei der Türkei angefragt hat, ob er eine Peshmerga-Truppe nach Kobanê schicken könnte, wird geflissentlich überhört.

Die PYD und die YPG leugnen ihre Verbindung zur PKK nicht. Über den Charakter der PKK als nationalistische Partei mit einem pseudoreligiösen Führerkult um Abdullah Öcalan braucht man sich keine Illusionen zu machen. Trotzdem ist es unfassbar, dass Vertreter der türkischen Regierung die einzige Miliz, die die kurdische und nichtkurdische Bevölkerung in einem großen Teil Syriens gegen die Halsabschneider des IS verteidigt, pauschal als Terroristen bezeichnet. Es ist unfassbar angesichts der Tatsache, dass die PKK ihre Kämpferinnen und Kämpfer vor anderthalb Jahren aus der Türkei zurückgezogen hat und auf einen Friedensprozess hofft.

Wie realistisch Öcalans Vorstellungen von einer friedlichen Einigung mit der Türkei sind, die ein Land mit zwei Gesellschaften hervorbringen würde, und ob dies überhaupt wünschenswert wäre, ist eine andere Frage. Jedenfalls hat Erdoğan fast zwei Jahre lang den Eindruck erweckt, er sei bereit, den Konflikt durch Verhandlungen mit der PKK zu lösen. Die Hoffnung der Kurden auf eine friedliche Lösung ist zu einer Trumpfkarte Erdoğans geworden. Nach Bedarf wird die Hoffnung geschürt, um die politische Unterstützung oder wenigstens Neutralität der kurdischen Bevölkerung zu sichern. Das führte beispielsweise dazu, dass sich die Kurden bei den Gezi-Unruhen sehr zurückgehalten, diese zum Teil sogar verbal verurteilt haben. Nun aber stellt Erdoğan die PKK und ihre syrischen Verbündeten auf eine Stufe mit dem IS.

Cengiz Çandar, ein anerkannter Spezialist für türkische Außenpolitik und weder Kurde noch PKK-Fan, meint, für die AKP-Regierung habe die Vertreibung der PYD aus Kobanê statt des Kampfs gegen den IS Priorität. Schließlich verabschiedete das türkische Parlament eine Ermächtigung der Regierung, gegen terroristische Gruppen in Syrien und im Irak vorzugehen. Dabei wurde die PKK ausdrücklich erwähnt, ansonsten war vage von »anderen« Gruppen die Rede. Mit dieser Entscheidung wurde die Erwartung geweckt, dass nun Kobanê sofort geholfen werde. Um diesem Druck zu begegnen, behalf sich Ministerpräsident Ahmet Davutoğlu mit einer glatten Lüge. »Wir werden alles tun, was wir können, damit Kobanê nicht fällt«, sagte er mit seinem üblichen verschmitzten Lächeln in die Kameras. Dabei war er bislang nicht einmal bereit, den USA die Benutzung ihres Luftwaffenstützpunktes im türkischen Incirlik zur Unterstützung von Kobanê zu gestatten, wozu ihn die Resolution des Parlaments ermächtigt hätte.

Yasin Aktay, einer der Vertrauten von Erdoğan und Davutoğlu, brachte die Haltung der türkischen Regierung besser auf den Punkt: »In Kobanê sind doch nur noch Terroristen geblieben. Was in Kobanê geschieht, ist der Kampf zweier Terrororganisationen.« Die Folge solcher Äußerungen und der Untätigkeit bei Kobanê war ein Wutausbruch kurdischer Demonstranten. Zum ersten Mal seit dem Militärputsch von 1980 musste die Regierung in Diyarbakır Panzer auf die Straßen schicken und in weiten Landesteilen eine zweitägige Ausgangssperre verhängen. Verzweifelt rief der Gouverneur von Diyarbakır bei dem kurdischen Altpolitiker Ahmet Türk an und bat ihn, er solle die Leute dazu bringen, nach Hause zu gehen. Türk antwortete, dass er das nicht könne.

Was Ahmet Türk nicht konnte, vermochte schließlich Öcalan. In einem Brief an kurdische Politiker legte er Wert auf den baldigen Beginn von Verhandlungen mit der Türkei, was zugleich ein Ende des Aufstandes bedeutete. Nach Informationen der Zeitung Radikal wurden Öcalan verbesserte Haftbedingungen inklusive der Unterbringung in einem eigenen Gebäude mit eigenem Büro in Aussicht gestellt, wenn er den Brief schreibe. Andernfalls soll ihm mit lebenslanger Totalisolation gedroht worden sein.

Erdoğan hat die Massen vorerst beruhigt, aber die Frist für die Aufnahme offizieller Verhandlungen zur Lösung der Kurdenfrage, die Öcalan bereits vorher gesetzt hatte, ist am Mittwoch abgelaufen. Im Grunde hat Erdoğans Syrien-Politik Ähnlichkeiten mit der Politik, mit der er türkische Kurdinnen und Kurden gewinnen will. Der kurdische Nationalismus soll durch eine Hinwendung zum Islam überwunden werden. In Wahlreden in Diyarbakır griff Erdoğan die kurdische Nationalbewegung regelmäßig als unislamisch an. Eine offene Allianz mit dem IS ist derzeit nicht möglich, aber das heißt nicht, dass sie bei der Belagerung von Kobanê nicht de facto besteht. Außerdem gehören radikale islamistische Gruppen generell zu den bevorzugten politischen Partnern der Politik Erdoğans.

Das hat verschiedene Gründe. Einer davon ist die von Davutoğlu entwickelte Politik der »strategischen Tiefe«. Die Türkei soll sowohl nach Osten als auch nach Westen gute Beziehungen haben. Im Grunde ist das weniger geographisch gemeint als ideologisch. Mit der Beteiligung an einem Krieg gegen eine islamistische Gruppe würde die Türkei das Scheitern ihrer Politik der »strategischen Tiefe« eingestehen. Dabei hofft die Regierung noch immer, die Früchte dieser Politik einzufahren. Die Gefahren sieht man nicht. Selbst die 100tägige Geiselhaft von 46 Diplomaten und ihren Angehörigen wird erstaunlich kühl verarbeitet. Dass der IS die größte turkmenische Stadt im Irak, Tal Afar, erobert, dort schiitische Moscheen gesprengt und viele Einwohner vertrieben hat, wird übergangen. Dabei hatte die Türkei einst mit Krieg gedroht, falls das teilweise von Turkmenen bewohnte Kirkuk unter kurdische Verwaltung käme.

Mit dem Vormarsch des IS hat die türkische Regierung keine wahrnehmbaren Probleme. Im Gegenteil, man gedenkt, davon politisch zu pro­fitieren. Man spielt mit zwei Feuern, dem Kurdenkonflikt und dem IS, und meint, keines davon könnte einen wirklich versengen. Selbst Saudi-Arabien ist gegenüber den Gefahren des sunnitischen Fundamentalismus nicht so blauäugig wie die türkische Regierung.

Quelle: http://jungle-world.com/artikel/2014/42/50733.html

 

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