Peña Nietos Amtsantritt von Gewalt überschattet

Mexiko-Stadt. Enrique Peña Nieto hat am Samstagvormittag das Präsidentenamt Mexikos übernommen. Mit ihm gelangt nach zwölf Jahren die Partei der Institutionellen Revolution (PRI) an die Macht zurück. Das Land wurde bis zum Jahr 2000 über 71 Jahre lang von dieser Gruppierung regiert. Der peruanischen Literaturnobelpreisträger Mario Vargas Llosa bezeichnete Mexiko damals als “perfekte Diktatur”.

Zügigen Schrittes bewegte sich der 46-jähirge Peña Nieto in die Abgeordnetenkammer, um dort den Schwur der Treue auf die Republik zu leisten. Während der Festakt fast bist in kleinste Detail der offiziellen Choreographie entsprach, lieferten sich ein paar hundert Meter weiter Demonstranten blutige Straßenschlachten mit der Polizei.

Aller Planung zum Trotz patzte der neue Präsident ausgerechnet beim Zitieren des Treueschwurs gemäß Artikel 87 der mexikanischen Verfassung. Er gesellt sich damit zu seinem Amtsvorgänger Vicente Fox der Partei der Nationalen Aktion (PAN), dem das gleiche Ungeschick zwölf Jahre zuvor passierte.

Kurze Zeit später hielt Enrique Peña Nieto seine erste Rede als Präsident im Nationalpalast. Dort stellte er die fünf Eckpfeiler seiner Politik vor. Er wolle ein Mexiko in Frieden errichten und Integration anstreben. Zudem sprach er sich für Chancengleichheit und Armutsbekämpfung aus. Bildung solle für alle zugänglich werden und Wirtschaftswachstum solle zu einem wohlhabenden Mexiko führen. Als letzten Punkt nannte er die Rolle Mexikos in der Welt und richtete sich direkt an die beiden anwesenden ausländischen Vertreter, den US-Vizepräsidenten Joe Biden und Felipe de Borbón, Prinz von Spanien.

Der Festakt von den Konfrontationen zwischen hauptsächlich jungen Demonstranten und der Staatsmacht begleitet. Mehr als sieben Stunden dauerten die Auseinandersetzungen an, die sich im Laufe des Tages immer mehr in das historische Zentrum verlagerten. Die Teilnehmer skandierten Losungen wie “Mexiko hat keinen Präsidenten”.

Im Laufe des Nachmittags spitze sich die Lage zum Ausnahmezustand zu, so dass die Polizeibeamten auch unbeteiligte Personen angriffen. In Folge der Verwüstungen von Geschäften und Banken im Zentrum wurden mehr als 100 Menschen festgenommen. Über den Verbleib einiger der Inhaftierten lagen über Stunden hinweg keine Informationen vor. 29 Demonstranten wurden in Krankenhäusern ärztlich versorgt. Zwei Menschen befinden sich in Koma und in kritischem Zustand.

Quelle: http://amerika21.de/nachrichten/2012/12/70402/praesidentschaftswahlen-mexiko

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Blick am Abend: Panikmache mit erfundenen „Fakten“

„60 Prozent der Asylbewerber sind HIV-positiv“, titelte Blick am Abend in seiner Ausgabe vom 30. November. Dabei handelt es sich um eine unglaubliche Verdrehung einer Aussage eines Aids-Hilfe-Schweiz-Vertreter. Auf die stösst aber nur, wer den ganzen Artikel liest. Auf äusserst verwerfliche Weise trägt die Zeitung damit zur Panikmache gegen Asylsuchende bei.

Die Geschichte mit den HIV-positiven Asylsuchenden beschäftigt den Blick am Abend schon länger. Am 14. November brachte er einen längeren Artikel mit dem Titel „Sollen Asylbewerber zum Aids-Test?“ Der Text behandelte das Thema alles in allem sachlich. Der befragte Experte erachtete Zwangstests für alle Asylsuchenden nicht als sinnvoll und betonte die Wichtigkeit von Informationskampagnen sowie freiwilligen Beratungs-und Testangeboten.
Einige Asylsuchende, die den Text in einem Deutschkurs der Autonomen Schule Zürich (ASZ) lasen, empfanden den Artikel zunächst nicht als rassistisch. Als sie dann aber verglichen, wie kurz demgegenüber der kürzliche Selbstmord eines Ausschaffungshäftlings in Kloten in der gleichen Zeitung abgehandelt wurde, änderten sie ihre Meinung und kritisierten den Fokus von Blick am Abend auf negative Bilder über Asylsuchende.

Unglaubliche Faktenverdrehung

Leider bestätigte sich etwa zwei Wochen später, dass es der Zeitung nicht wirklich darum geht, die Aids-Prävention bei Asylsuchenden und die Unterstüzung im Krankeheitsfall zu thematisieren – an sich ja ein legitimes Thema. Im Artikel erklärt Harry Witzthum von der Aids-Hilfe Schweiz: „Mit Blick auf Personen aus Subsahara zeigen die epidemologischen Daten, dass sich über 60 Prozent der betroffenen Personen bereits in ihren Herkunftsländern mit HIV infiziert haben.“ Diese Aussage verwandelt sich nun aber wie durch ein Wunder in den Titel „60 Prozent der Asylbewerber sind HIV-positiv“!

Fixiert auf negative Stereotypen

Was steckt hinter dieser Verdrehung? Ist hier jemand schlicht und einfach unfähig, statistische Aussagen zu verstehen – eine verlangte Kompetenz übrigens im Deutschtest für das Niveau B1, ohne das MigrantInnen viele Ausbildungen und Kurse verschlossen bleiben? Oder sind hier bewusst Fakten verfälscht worden, um mit Stimmungsmache gegen Asylsuchende bei den Lesern zu punkten? An einen schlichten Verständnisfehler zu glauben (und sei es nur ein Flüchtigkeitsfehler) fällt schwer.
Wenn auch die Verdrehung vielleicht nicht bewusst geschah, zeigt sich doch, wie fixiert gewisse JournalistInnen darauf sind, Negativmeldungen über MigrantInnen und Asylsuchende im Speziellen zu suchen. Und wenn der Wunsch sehr stark ist, kann sich – wir kennen es wohl alle – in der eigenen Wahrnehmung die Realität dem Wunsch anpassen. So wird dann das Zitat Wizthums über HIV-positive Personen aus Subsahara, von denen 60 Prozent sich schon in den Herkunftsländern angesteckt hätten, zu einer Aussage über alle Asylsuchenden, von denen 60 Prozent HIV-positiv sehen. Dass es zudem bei den 60 Prozent um die Ansteckung in den Herkunftsländern geht, verschwindet ganz aus dem Titel, der sogar mit Anführungszeichen als Zitat markiert ist.

Der gesunde Volkskörper

MigrantInnen als krank, ansteckend und gefährlich anzusehen, ist ein beliebtes rassistisches Stereotyp. Der angeblich gefährdete „gesunde Volkskörper“ spielte als rassenhygienisches Konzept seit dem letzen Drittel des 19. Jahrhunderts eine grosse Rolle und fand auch grosse Resonanz bei den Nationalsozialisten. Oft wurde dabei ein enger Zusammenhang hergestellt zwischen dem bakteriologischen Virus, der sich verbreitet und Körper befällt, und den ausländischen „Eindringlingen“, die das Volk gefährden:

Die aggressiven Migrations- und Invasionsmetaphern der Bakteriologen fließen zurück in die Politik und verbinden sich bald mit nationalistischen und rassistischen Kulturvorstellungen. ‘In der nationalistischen Vorstellung entwickelt sich das Bild des reinen Volkskörper und des reinen Staates, der nach außen dicht gemacht und dicht gehalten werden muss’, so Marianne Hänseler. Schon 1896 ist im Reichstag von Cholerajuden die Rede. Es ist nur ein kleiner Schritt vom Fremden als Krankheitsüberträger zum Fremden als Krankheitserreger im Volkskörper.1

Mit seinem Titel stellt sich Blick am Abend gewollt oder ungewollt in diese Tradition.

Quelle: http://www.bildung-fuer-alle.ch/artikel/blick-am-abend-panikmache-mit-erfundenen-%E2%80%9Efakten%E2%80%9C

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Proteste gegen die sogenannte Sicherheitskonferenz (SiKo) 2013 in München

Kein Frieden mit der NATO. Aktiv werden gegen die Münchner „Sicherheitskonferenz“. Aufruf zu Protesten gegen die sogenannte Sicherheitskonferenz (SiKo) 2013 in München. Im Februar treffen sich in München wieder hochrangige Politiker_innen und Kriegsstrategen, Vertreter von Wirtschafts- und Rüstungskonzernen – vorwiegend aus den NATO- und EU-Staaten – zu ihrer sogenannten Sicherheitskonferenz. Dort werden Strategien beraten, mit denen sie ihre wirtschafts- und machtpolitischen Interessen weltweit durchsetzen wollen. Sie reden von Frieden und Sicherheit, aber sie sind die Repräsentanten eines Systems, das zwangsläufig Kriege herbeiführt.

Deshalb demonstrieren wir gegen Rüstung und Krieg, für Frieden und Abrüstung.

Sie reden von Sicherheit – und drohen mit neuen Kriegen. Altbekannte Lügen, wie schon vor dem Irak- und Afghanistankrieg dienen als Vorwand für immer lauter werdende Kriegsdrohungen gegen den Iran. Ihre Sanktionen gegen den Iran dienen nicht einer Verhandlungslösung im Atomkonflikt, sondern der Kriegsvorbereitung. Nötig wäre eine atomwaffenfreie Zone im Nahen und Mittleren Osten. Stattdessen heizt Deutschland den Konflikt an, liefert atomwaffenfähige U-Boote an Israel und Panzer an Saudi Arabien und Katar.

Sie heucheln Betroffenheit über das Blutvergießen im Bürgerkrieg in Syrien und sind mit ihren Waffenlieferungen für die Rebellen selbst Teil dieser Kriegsverbrechen.

Es geht dabei nicht um ein Ende des Blutvergießens, sondern um einen Regimewechsel in Syrien – auch als Vorbereitung eines Angriffs auf den Iran. Nötig wäre die einseitige Parteinahme zu beenden und alle Waffenlieferungen und sonstigen Kriegsunterstützungen einzustellen. Erst so entsteht Raum für demokratische Lösungen des Konflikts. Sie reden von atomarer Abrüstung – und modernisieren gleichzeitig ihre Atomwaffenarsenale. Im rheinland-pfälzischen Büchel lagern ca.20 US-Atomwaffen. Piloten der Bundesluftwaffe proben mit Tornado-Kampfflugzeugen den Einsatz dieser Atombomben. Damit verstößt Deutschland gegen den Atomwaffensperrvertrag und torpediert weitere Schritte zur atomaren Abrüstung. Nötig wäre, dass die Bundesregierung ab sofort den Atomwaffensperrvertrag respektiert, dass sie weder Bomberpiloten und Kampfflugzeuge, noch Atomwaffendepots zur Verfügung stellt.

Sie reden von Demokratie – aber rüsten die Bundeswehr für den Einsatz nach innen und außen auf.

Die Bundeswehr nistet sich in Bildungseinrichtungen und Kommunen ein und militarisiert immer mehr Bereiche des gesellschaftlichen Lebens. Die Bundeswehr wird – im Widerspruch zum Grundgesetz – zu einer international einsetzbaren Interventionsarmee umgerüstet. Im kommenden Jahr erreichen die Militärausgaben den höchsten Stand in der Geschichte der Bundesrepublik und zur Perfektionierung der Kriegsführung plant die Bundesregierung die Anschaffung bewaffneter Kampfdrohnen. Nötig wäre eine wirkliche Friedenspolitik ohne Bundeswehr. Deutschland, den NATO- und EU-Staaten geht es um die Absicherung einer Weltordnung, in der sich bei Wenigen immenser Reichtum anhäuft, während Millionen auf der Welt verhungern. In Deutschland besitzt 1% der Bevölkerung fast die Hälfte des Geldvermögens. Weltweit verfügt das reichste Zehntel über Dreiviertel allen Reichtums. Gleichzeitig verhungert alle 5 Sekunden ein Kind oder stirbt an einer leicht heilbaren Krankheit. Die Herrschaften, die sich im sich im Bayerischen Hof zur sog. Sicherheitskonferenz treffen, sind mitverantwortlich für die Zerstörung der natürlichen Lebensgrundlagen.

Sie ruinieren ganze Länder und verursachen millionenfaches Flüchtlingselend.

Sie sind die Repräsentanten dieses mörderischen kapitalistischen Systems, das sowohl die Menschen als auch die Natur ruiniert.

Ihre Politik ist auch der Nährboden für Nationalismus, Rassismus und Faschismus. Mit ihrer medialen Propaganda zielen sie darauf, dass die Menschen stillhalten – aus Angst vor Arbeitslosigkeit, Sorge um die Zukunft ihrer Kinder, Ohnmacht gegenüber dem Terror der Finanzmärkte. Die Münchner „Sicherheitskonferenz“ ist dafür und zur Rechtfertigung ihrer Kriegspolitik eines der weltweit wichtigsten Propagandaforen. Wir aber lassen uns nicht einschüchtern. Wir wenden uns gegen dieses System, das sich ausschließlich am Profit orientiert und über Leichen geht. Wir treten ein für Menschenwürde, globale Gerechtigkeit und Gewaltfreiheit in den internationalen Beziehungen – gegen Ausbeutung und Krieg.

Krieg beginnt hier.

Deutschland liegt bei den Rüstungsexporten auf Platz drei der Weltrangliste und direkt vor unserer Haustür befinden sich einige der größten Waffenschmieden. Sie machen Millionen-Profite mit der Beihilfe am weltweiten Massenmord.

Deshalb gehen wir auf die Straße

Gegen Kriegsgeschäfte und militärische Machtpolitik

Für Frieden, Abrüstung und soziale Gerechtigkeit – Für eine Welt ohne Atomwaffen

Gegen Militarisierung der Gesellschaft, gegen Nationalismus und Rassismus

Für internationale Solidarität und Gewaltfreiheit in den internationalen Beziehungen

Gegen alle Auslandseinsätze der Bundeswehr

Bundeswehr raus aus Bildungseinrichtungen, Jobcentern, Kommunen und Messen

Für die Auflösung der Interventionstruppen und letztlich der Bundeswehr

Für den Austritt Deutschlands aus der NATO und allen EU-Militärstrukturen

Für die Auflösung der NATO Gegen alle Waffenexporte.

Für den Einsatz der Rüstungs- und Kriegsmilliarden zur Bekämpfung von Hunger und Armut in der Welt

Ohne massiven Druck von unten werden die Regierenden ihre Rüstungs- und Kriegspolitik nicht ändern. Überlebensnotwendig ist daher, dass alle, die einen Wandel herbei führen wollen, sich organisieren und gemeinsam handeln.

Deshalb: Kommt nach München!

Beteiligt Euch an der Großdemonstration gegen die NATO-Kriegskonferenz,

am Samstag, 2. Februar 2013 AKTIONSBÜNDNIS GEGEN DIE NATO-SICHERHEITSKONFERENZ

Quelle: https://linksunten.indymedia.org/de/node/72644

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Bilanz der Demonstration „Bleiberecht für alle – überall!“ vom 17. November 2012

Das „Bündnis 6. Oktober“ zieht eine sehr positive Bilanz der lautstarken und bunten Demonstration „Bleiberecht für alle – überall!“ von heute Nachmittag in der Luzerner Innenstadt. Gegen 16 Uhr versammelten sich rund 400 Personen beim Pavillon auf dem Kurplatz um unter dem Motto „weltweite Bewegungsfreiheit und weltweites Bleiberecht“ gemeinsam für ein radikales Umdenken hin zu einer menschlichen Migrationspolitik zu demonstrieren.

Der Demonstrationszug setzte sich nach einer Eröffnungsansprache um 16:15 Uhr in Bewegung. Weitere Reden wurden am Falkenplatz, beim Helvetiaplatz und am Ende der Kundgebung um 18:15 Uhr beim Pavillon gehalten. Während der zweistündigen Demonstration herrschte durchwegs eine leidenschaftliche und sehr friedliche Stimmung. Es war den TeilnehmerInnen anzuspüren, wie sehr ihnen das Motto der Demonstration am Herzen liegt.

Mit freundlichen Grüssen

Bündnis 6. Oktober

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Nicht vergessen: Morgen Demo in Luzern!

Täglich sind weltweit Millionen von Menschen in Bewegung. Menschen verlassen ihr Ursprungsland oder das Land ihres momentanen Aufenthaltsortes um in ein anderes Land zu gelangen. Die Gründe dafür sind so vielfältig wie die MigrantInnen selbst. Unzählige Menschen migrieren unfreiwillig, sind also auf der Flucht. Sie flüchten vor staatlicher oder privater Verfolgung, sie flüchten vor wirtschaftlicher Ausweglosigkeit und vor sozialem Elend oder sie flüchten aufgrund der Zerstörung ihrer sie umgebenden natürlichen Umwelt. Viele Menschen migrieren jedoch auch freiwillig, einfach weil ihnen danach ist, weil sie ihr Leben oder einen Lebensabschnitt an einem anderen Ort verbringen wollen.

Die Schweiz hat gegen die weltweite Migration jedoch so einiges einzuwenden. Die Migrationspolitik der Schweiz folgt wie diejenige der EU-Staaten seit Jahren den Prinzipien der gezielten Selektion einerseits und der Abschottung und Repression andererseits. Menschen aus anderen Staaten sind nur in ganz wenigen Fällen erwünscht, beispielsweise als hochqualifizierte Spezialkräfte, als reiche Investoren oder wohlhabende Steuerzahler. Es handelt sich hierbei um den äusserst kleinen Teil der „regulären“ MigrantInnen, um jene MigrantInnen, von welchen sich die Schweiz einen grossen ökonomischen Nutzen erhofft. Alle anderen MigrantInnen gelten als unerwünscht und werden (mit ganz wenigen Ausnahmen) in die Illegalität getrieben und kriminalisiert. Bis zu 300 000 sogenannte „Illegale“ oder „Sans-Papiers“ halten sich zurzeit in der Schweiz auf. Das Paradoxe daran ist, dass genau jene Staaten, welche dafür besorgt sind, dass Kapital und Waren weltweit ungehindert alle Grenzen und Zölle passieren können, der weltweiten Migration mit immer noch repressiveren Massnahmen begegnen. Während also Geld und Waren aller Art frei über den ganzen Erdball zirkulieren sollen, wird dies den Menschen untersagt.

Die massenhafte Migration ist jedoch eine simple Tatsache: Millionen von Menschen migrieren tagtäglich. Und diese Menschen tun dies auch dann, wenn ihnen die Staaten hierbei Grenzen setzen, sie somit abzuwehren versuchen und sie im Falle einer erfolgreichen Flucht kriminalisieren und gewaltsam auszuschaffen versuchen. Weder die Schweiz, noch die EU, weder das Ausländer- und das Asylgesetz, noch der  „Europäische Pakt zu Einwanderung und Asyl“ können Menschen ihren Willen zur Migration verbieten. Staaten und Gesetze versuchen die Menschen zwar an der Migration zu hindern und in vielen Fällen gelingt ihnen das auch: unzählige Menschen sterben auf der Flucht, in Ausschaffungshaft oder bei einer Zwangsausschaffung. Doch der Migrationswille von Millionen von Menschen kann durch kein Gesetz dieser Welt gebrochen werden!

Wir fordern „Bleiberecht für alle“, im Gegensatz zu Abschottung und Repression. Jeder Mensch soll frei entscheiden können, wo er leben will auf diesem Planeten. Wir fordern also nicht nur „Bleiberecht für alle“ auf dem Territorium des schweizerischen Staates. Wir fordern „Bleiberecht für alle – überall!“ Erst die Abschaffung aller Grenzen und staatlichen Strukturen ermöglicht es jedem Menschen, sich an dem Ort seiner Wahl frei entfalten zu können. Die Zeit der Nationalstaaten mit ihren menschenverachtenden Grenzen und Gesetzen ist vorbei. Die Zeit der weltweiten Bewegungsfreiheit, der weltweiten Solidarität und der weltweiten Freiheit des Einzelnen ist gekommen!

Kämpfen wir gemeinsam für eine weltweite Bewegungsfreiheit und für ein weltweites Bleiberecht!

Bleiberecht für alle – überall!

DEMO AM 17. NOVEMBER UM 16H KURPLATZ LUZERN

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Beschwerde eingereicht – Demonstration findet auf jeden Fall statt

Medienmitteilung zur Demonstration „Bleiberecht für alle“ vom
17. November 2012 in Luzern:

Beschwerde eingereicht – Demonstration findet auf jeden Fall statt

Sehr geehrte Medienschaffende,

Wie in der letzten Medienmitteilung angekündigt, haben wir gestern fristgerecht Verwaltungsgerichtsbeschwerde gegen den Bewilligungsentscheid des Stadtrates vom 18 Oktober 2012 eingereicht. Das Verwaltungsgericht wird ersucht, festzustellen, dass die Verweigerung der Bewilligung für die Demonstration vom 17.11.2012 vor Schliessung der Ladenlokale um 16 Uhr die Meinungs- und Versammlungsfreiheit (Art. 16 i.V.m. Art. 22 BV und Art. 11 EMRK) verletzt.

In der Beschwerdeschrift wird ausgeführt, dass der Stadtrat im Rahmen der vorgeschriebenen Verhältnismässigkeitsprüfung bei der Prüfung eines Demonstrationsgesuches den grundrechtlich geschützten Interessen eindeutig zu wenig Gewicht beigemessen hat und die wirtschaftlichen Interessen der Geschäftsinhaber viel zu hoch gewichtet hat. Der Stadtrat verkennt dabei, dass die Behörden bei der Beurteilung einer Bewilligung für eine politische Kundgebung nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung gehalten sind, die grundsätzliche Vorrangstellung der Versammlungsfreiheit aufgrund ihres ideellen Charakters zu beachten. Der angefochtene Bewilligungsentscheid bestätigt die vom Stadtrat in den letzen Jahren entwickelte Praxis, wonach grundsätzlich keine  Demonstrationen vor 16 Uhr bewilligt werden. Das Verwaltungsgericht wurde deshalb auch ersucht, sich in allgemeiner Weise zu dieser Praxis zu äussern.

Die Demonstration wird am 17.11.2012 jedoch auf jeden Fall stattfinden. Das äusserst wichtige Anliegen der Demonstration soll auf die Strasse getragen werden, auch wenn der Stadtrat dies durch seine rechtswidrige Bewilligungspraxis zu verhindern versucht. Es kann zwar nicht mit einer abschliessenden gerichtlichen Beurteilung vor der geplanten Demonstration gerechnet werden. Das Verwaltungsgericht wurde jedoch ersucht, die Startzeit im Sinne einer vorsorglichen Massnahme einstweilen auf 14 Uhr festzulegen. Sollte das Gericht diesem Antrag nicht rechtzeitig entsprechen, wird sich das „Bündnis 6. Oktober“ selbstverständlich rechtskonform verhalten und die Demonstration „zähneknirschend“ erst um 16 Uhr starten. Dies jedoch mit der Gewissheit, dass nun auf jeden Fall endlich eine unabhängige gerichtliche Instanz über die grundrechtsfeindliche Bewilligungspraxis des Stadtrates entscheiden wird.

Mit freundlichen Grüssen

Bündnis 6. Oktober

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Bleiberechts-Demo am 17. November in Luzern

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Riots, Generalstreik und niedergebrannte Bullenwache in Gabe/Tunesien

Die Konflikte in Tunesien zwischen der islamistischen Ennadah und den ArbeiterInnen, Gewerkschaftlern, Arbeitslosen und „frustierten Jugendlichen“ spitzen sich weiter zu. Erst vor 10 Tagen war ein Gewerkschaftsführer in Tataouine umgebracht worden. Während offiziell ein Herzinfakt als Todesursache angegeben wurde, zeigen in sozialen Netzwerken veröffentlichte Fotos eine mit zahlreichen Wunden übersäten Leichnam.

Andere Gewerkschaftler aus Tataouine beschuldigen Anhänger von Ennadah, hinter dem Mord zu stecken.

Die Proteste in Gabes, einem Ort mit gut einhunderttausend Einwohnern an der Küste, begannen vor gut einer Woche.
Auslöser war die Einstellung von 50 Technikern und 600 Arbeitern bei dem Chemieunternehmen Tunisian Chemical Group. (TCG). Bei den Einstellungen wurden bevorzugt Einwohner aus dem Geburtsort von Rached Ghannouchi, der Führer der islamistischen Ennadah Partei ist, eingestellt. während Bewerber aus Gabe selbst benachteiligt wurden.

Gabe leidet wie viele Orte in Tunesien unter einer extrem hohen Arbeitslosigkeit, neben dem Tourismus sind Jobs im Industriegebiet der Stadt eine der wenigen Möglichkeiten, Geld zu verdienen. Beschäftigte in einem Unternehmen wie TCG sind im Vergleich zu anderen, prekären Beschäftigten, was Verdienst, soziale und Gesundheitsleistungen angeht, priviligiert, entsprechend begehrt sind die Jobs.

Gegen die aufgebrachten Demonstranten aus Gabes, die gegen die aus der Ben Ali Ära bestens bekannte Klientelpolitik protestierten, gingen die Bullen von Anfang an massiv vor.

Bei den Bulleneinsätzen wurde u.a. Tränengasgranaten in Wohnhäuser von mutmasslichen Protestlern geworfen.
Daraufhin versuchten Demonstranten, die örtliche Zentrale der Nationalgarde zu stürmen, der Angriff konnte jedoch von den Bullen abgewehrt werden.

Nach drei Tagen militanter Auseinandersetzung wurden die Bulleneinheiten teilweise zurückgezogen und durch eingerückte Militäreinheiten ersetzt, die überall in der Stadt postiert wurden und Bewohner und missliebige Reporter bedrohten.
Trotzdem kam es weiter zu Protesten und Auseineinandersetzungen, auf die mit der Verhängung des Ausnahmezustandes für die Stadt und die Region reagiert wurde.

Dieser sieht u.a. eine nächtliche Ausgangssperre vor, die jedoch von Gruppen von Jugendlichen missachtet wurde, die sich auch in den kommenden Nächten weiter Zusammenstösse mit den „Sicherheitskräften“ lieferten.
Als Antwort auf die Verhängung des Ausnahmezustandes wurde für den 22.10. ein Generalstreik für die Stadt und die Umgebung ausgerufen, an dem sich weite Teile der örtlichen Bevölkerung beteiligten.

Obwohl nach wie vor die nächtliche Ausgangssperre gilt, kommt es weiter zu Protesten und Aktionen, in der Nacht von Mittwoch zu Donnerstag wurden verschiedene Hauptstrassen durch brennende Barrikaden blockiert, in Teboulbou (Gabe) wurde ein Bullenrevier niedergebrannt.

Quelle: http://uprising.blogsport.de/2012/10/26/riots-generalstreik-und-niedergebrannte-bullenwache-in-gabetunesien/

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Der Krieg des Nordens

Zur Aufrechterhaltung der globalen Ausbeutungsstrukturen gehen die Eliten zunehmend militärisch gegen die Verlierer der herrschenden Verhältnisse vor

Die Verleihung des Friedensnobelpreises an die Europäische Union stellt einen weiteren Höhepunkt der Orwellisierung der derzeitigen Weltordnung dar. Während weite Regionen von Kriegen und Interventionen heimgesucht werden, bekommen die Hauptverantwortlichen der weltweiten Gewaltexzesse Nobelpreise umgehängt. Bei der Verleihung an US-Präsident Barack Obama 2009 verwiesen Befürworter auf dessen Versprechen, Kriege und Folter zu beenden. Eingetreten ist schließlich genau das, was schon damals absehbar war: der »Krieg gegen den Terror« wurde nicht nur weitergeführt, sondern sogar noch ausgeweitet. Nach wie vor werden Gefangene gefoltert und jahrelang ohne jegliche rechtliche Grundlage festgehalten. Die Zahl der Drohnenangriffe und illegaler Tötungen stieg unter Obamas Befehl stetig.

Die Verleihung der höchsten Friedensauszeichnung an die EU konnte ohnehin nur unter Ausblendung großer Teile der Realität begründet werden. Allein die im Lissabon-Vertrag verankerte Aufrüstungsverpflichtung für die Mitgliedsstaaten disqualifiziert die Union für den Nobelpreis. Hinzu kommen kürzlich durchgeführte, derzeit stattfindende oder geplante Kriegseinsätze in Afghanistan, Somalia, Côte d’Ivoire, Libyen und Mali, die Beteiligung an der Militarisierung unzähliger Konflikte weltweit oder die kriegsartigen Einsätze an den EU-Außengrenzen. Von der EU als »Friedensprojekt« zu sprechen kann nur, wer alles ignoriert, was außerhalb Europas passiert – und wer außer acht läßt, daß dieses »Projekt« auch innenpolitisch in weiten Teilen der Union nur mehr unter Einsatz von Polizeiknüppeln aufrechtzuerhalten ist.

Militärische Aktivitäten außerhalb der westlichen Metropolen werden seit jeher mit anderen Maßstäben bewertet als die – derzeit eben nicht vorhandenen – Kriege zwischen diesen. Die Verlagerung der bewaffneten Auseinandersetzungen in die Peripherie wird dabei noch mit einer besonderen Verantwortung der Metropolen begründet. Das neueste ideologische Konstrukt zur Rechtfertigung solcher Waffengänge heißt »Schutzverantwortung«. Staatliche Souveränität existiert nur mehr, solange dies nicht den Interessen der Hegemonialmächte zuwiderläuft. Menschenrechte können mit dem Konzept der »Schutzverantwortung« noch leichter für Interventionen instrumentalisiert werden, als dies schon bei den »humanitäten« Militäreinsätzen der Fall war. Die Demontage des Völkerrechts ist wieder einen Schritt vorangekommen.

Die Militarisierung der Weltpolitik begleitet den verzweifelten Versuch der Profiteure der bestehenden Verhältnisse, angesichts der tiefen Krise des Kapitalismus die globalen Ausbeutungsstrukturen zu sichern. Je mehr die Weltwirtschaft wackelt, desto fester müssen die Schrauben angezogen werden – um auch weiterhin Extraprofite einzufahren und um die Verlierer dieser Weltordnung davon abzuhalten, sich gegen die vermehrten Angriffe auf ihre Lebensgrundlagen zur Wehr zu setzen.

Innenpolitisch bedeutet das in den kapitalistischen Metropolen des Westens, daß trotz des Totalversagens des Neoliberalismus dieser nach ein paar kurzen Schreckmomenten und voreiligen Abgesängen auf den Markttotalitarismus zu Beginn der Krise nun von Regierungen und Konzernme­dien wieder als einzig möglicher Ausweg dargestellt wird. Errungenschaften eines Jahrhunderts werden zurückgenommen, soziale Sicherungssysteme zerschlagen und die Verursacher der jetzigen Situation nicht mal mehr erwähnt.

Außenpolitisch wird die Gewalt zur Durchsetzung der Interessen des globalen Nordens und zur Bekämpfung punktuellen Aufbegehrens der Opfer der imperialistischen Machtverhältnisse zur Normalität. Zu den Kriegsaktivitäten von USA bzw. NATO und EU kommen die Gewaltexzesse, in denen sogenannte Schwellenländer zunehmend versinken. Bei dem Versuch, neoliberale Konzepte und Konzerninteressen gegen den Widerstand von großen Teilen der eigenen Bevölkerung durchzusetzen, agieren die Regierungen dieser Länder als willige Handlanger der Metropolen. Ob Militarisierung der EU-Außengrenzen oder die Instrumentalisierung des »Drogenkrieges« zur Bekämpfung sozialer Bewegungen in Mexiko – stets geht es darum, die sozialen Auswirkungen dieser Weltwirtschaftsordnung gewaltsam niederzuhalten.

Quelle: http://www.jungewelt.de/2012/10-24/063.php

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Griechenlands Schande

Brutale Übergriffe auf Ausländer gehören in Griechenland zur Tagesordnung. Auf die Polizei können die Opfer selten hoffen. Die Regierung übt sich in Vogel-Strauss-Politik.

Die Szenen, die sich kürzlich vor dem Hytirion-Theater in Athen abspielten, waren furchteinflössend. Bieder gekleidete Frauen sowie Mitglieder der rechtsextremen Partei Chryssi Avgi (Goldene Morgenröte), unter ihnen mehrere Parlamentsabgeordnete, beschimpften die Zuschauer und Darsteller des Stückes Corpus Christi von Terrence McNally auf das Übelste. Rasender Höhepunkt des Spuks war ein orthodoxer Priester, der ein Kreuz schwang und wütend zusammen mit den andern randalierte. Dem Mob gelang es, die Aufführung zu verhindern – die Polizei schien nicht willens, dem Treiben Einhalt zu gebieten. Im Gegenteil, der Chryssi-Avgi-Abgeordnete Christos Pappas konnte, wie die Aufnahmen der Nachrichtensender zeigen, ungehindert einen Polizeibus betreten und einen der Festgenommenen aus dem Bus holen.

«Weimarer Verhältnisse»

Künstler und auch Journalisten zeigten sich entsetzt. Die Moderatorin der Abendnachrichten des staatlichen Senders ERT war sichtlich erschüttert, als sie über den Vorfall berichtete. Im privaten TV-Sender Skai brachte ein erregter Journalist das Zitat des von den Nationalsozialisten internierten Theologen Martin Niemöller: «Als die Nazis die Kommunisten holten, habe ich geschwiegen, ich war ja kein Kommunist. (. . .) Als sie mich holten, gab es keinen mehr, der protestieren konnte.»

Protest gegen die täglichen Übergriffe vor allem gegen Migranten durch Anhänger der rechtsradikalen Chryssi Avgi hält sich in Griechenland tatsächlich in Grenzen. Das Uno-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) meldete Ende August «beunruhigende Ausmasse» rassistisch motivierter Gewalt im Land. Im August wurde ein junger Iraker in Athen erstochen. Vor kurzem verletzten Rechtsradikale einen 21-jährigen griechischen Studenten ägyptischer Herkunft an der belebten Plateia Attikis so schwer, dass dieser wohl sein Augenlicht verlieren wird. Doch Chryssi Avgi, die bei den Wahlen vom Juni auf fast sieben Prozent kam und mit 18 Abgeordneten im Parlament vertreten ist, kann sich in ihrem Treiben bestätigt sehen: Nach jüngsten Umfragen würde sie gar drittstärkste Kraft im Parlament.

Die wenigsten Politiker scheinen den Ernst der Lage begriffen zu haben. Zwar sprechen die Politiker der demokratischen Parteien von einer «Schande», wenn sie sich zu Chryssi Avgi äussern. Der ehemalige Vizeministerpräsident Pangalos forderte kürzlich im Radiosender Vima FM, die Partei für illegal zu erklären. Beim Besuch der deutschen Bundeskanzlerin Merkel in Athen warnte Ministerpräsident Samaras vor «Weimarer Verhältnissen». Die griechische Gesellschaft sei bedroht «durch etwas, was es in unserem Land noch nie zuvor gegeben hat: den Aufstieg einer rechtsextremistischen, man könnte auch sagen faschistischen Neonazi-Partei».

Der Vergleich mit der Weimarer Republik trifft jedoch noch in anderer Hinsicht zu, nämlich in der Unfähigkeit der Regierung und der Staatsorgane, adäquat auf die rechtsextreme Bedrohung zu reagieren. Evangelos Venizelos, der Vorsitzende der sozialistischen Pasok, die Juniorpartnerin der Koalitionsregierung ist, konzentrierte sich bei der Antwort auf die Frage dieser Zeitung, was man gegen Chryssi Avgi unternehmen könne, vornehmlich darauf, dass Griechenland die Aussengrenze mit Hilfe der Europäischen Kommission besser sichern müsse. Zudem müsse das Dublin-II-System neu verhandelt werden, welches vorsieht, dass derjenige EU-Staat für ein Asylgesuch zuständig ist, in dem der Flüchtling zuerst in die EU eingereist ist. An innenpolitischen Strategien mangelt es dagegen.

Ohnehin ist es illusorisch zu glauben, wenn nur die Migranten verschwinden, verschwände auch Chryssi Avgi. Diese ist längst nicht mehr ein Phänomen des Athener Stadtzentrums, wo viele Migranten leben und sich viele alteingesessene Einwohner vom Staat vernachlässigt fühlen, sondern ist im ganzen Land präsent.

Berichte über Polizeigewalt

Von der Polizei können sich die Opfer rassistisch motivierter Gewalt in den seltensten Fällen Hilfe erhoffen. Dass diese oft erst gar nicht anrückt oder tatenlos dabeisteht, wenn die Rechtsextremen ihre Opfer malträtieren, darüber ist inzwischen mehrmals berichtet worden. Solche Fälle sind von Menschenrechtsorganisationen wie Human Rights Watch dokumentiert. Zuletzt sorgte ein Bericht des englischen «Guardian» für Aufmerksamkeit. So soll die Polizei Ende September antifaschistische Demonstranten verhaftet und über mehrere Stunden entwürdigenden Prozeduren ausgesetzt haben, die von den Anwälten der jungen Leute als Folter bezeichnet wurden. Zudem soll die Polizei gedroht haben, die Linksaktivisten Chryssi Avgi zu übergeben.

Auch Muhammad Yunous, der Vorsitzende der afghanischen Gemeinde in Athen, sieht die Gleichgültigkeit des Staates und der Polizei gegenüber den Angriffen der Rechtsextremen als Problem. Der Arzt, der seit 2001 in Griechenland lebt, sitzt in einem winzigen Büro beim Omonia-Platz. Die physische Gewalt von Chryssi Avgi sei nicht das primäre Problem, erklärt Yunous. Auch früher habe es schon Polizeigewalt gegen Migranten gegeben. «Es ist der Staat, der die Gesetze nicht umsetzt. Wenn du Anzeige erstatten willst, bedrohen sie dich.» Für die Menschen, die aus Kriegsgebieten wie Afghanistan und Somalia vor der Gewalt geflohen seien, sei dies ein dramatischer psychologischer Effekt, nun wieder hilflos der Gewalt ausgeliefert zu sein.

Die Anhänger der Chryssi Avgi führen sich mittlerweile wie ein Staat im Staate auf. So durchsuchen sie zum Beispiel Ausländer nach Aufenthalts- und Arbeitsgenehmigungen. Im September kontrollierten sie Kleinhändler in der Hafenstadt Rafina bei Athen und in Messolongi im Westen des Landes. Auch demolierten sie Stände von Migranten. Ihre Schandtaten hielten sie auf Video fest.

Die griechische Regierung versucht Stärke zu demonstrieren, jedoch nicht indem sie gegen die rechtsextremen Kräfte vorgeht oder in den Reihen der Polizei aufräumt, sondern indem sie gegen Ausländer vorgeht. So warnte zwar der Bürgerschutzminister Dendias im August vor der «Gefahr eines sozialen Umsturzes». Doch setzte er daraufhin die unkontrollierte Migration und rassistische Gewalt gleich, die beide nicht geduldet werden könnten. Seit August sind unter dem zynischen Namen «Xenios Zeus» (Gastfreundschaft des Zeus) Aktionen im Gange, bei denen die Polizei medienwirksam Razzien im ganzen Land veranstaltet und Migranten ohne gültige Papiere verhaftet. Ohne Papiere kann in Griechenland auch heissen, dass es jemand nicht geschafft hat, einen Asylantrag zu stellen, weil die Behörden heillos überfordert sind und es oft eine Frage des Glücks oder Schmiergelds ist, in die Behörde vorzudringen. Laut dem Ministerium für öffentliche Ordnung sind bereits mehr als 2600 Migranten ohne Papiere festgenommen worden.

Warten auf die Abschiebung

Die Festgenommenen werden in die eilig dazu geschaffenen «Zentren der geschlossenen Gastfreundschaft» gebracht. Das erste und bisher grösste dieser Art wurde im Frühjahr in Amygdaleza im Norden Athens eröffnet. Eine kürzlich ausgestrahlte Reportage des griechischen Privatsenders Alpha zeigte die Zustände in Amygdaleza. Das «Zentrum der geschlossenen Gastfreundschaft» ist von einem doppelten Stacheldrahtzaun und Wachtürmen umgeben. Der Bürgerschutzminister Dendias sagte, dass das ganze Zentrum nach europäischem Standard gebaut sei und sich im Rahmen des 2010 von Griechenland und der EU-Kommission unterzeichneten nationalen Aktionsplans befinde.

Der Journalist Andonis Sroider befragte die Internierten. Bei vielen handelte es sich um Migranten, die sich sehr gut in Griechisch ausdrücken konnten, da sie seit mehreren Jahren – illegal – in Griechenland gearbeitet hatten, wie sie sagten. Auch dies ist eine weitere Facette der Problematik: Arbeiter, von denen griechische Arbeitgeber jahrelang profitieren konnten, indem sie unter anderem keine Sozialabgaben entrichteten, werden nun wie Schwerverbrecher interniert und warten auf ihre Abschiebung. Die Männer berichteten davon, wie die Polizei nachts in die Container eindringe und die Männer schikaniere. Die sanitären Anlagen funktionierten nicht, das Essen sei ungenügend.

Muhammad Yunous von der afghanischen Gemeinde weist auf ein weiteres Problem hin: Die Zahl minderjähriger Flüchtlinge, die auf sich allein gestellt seien, steige, da Väter oder andere männliche Bezugspersonen einfach auf der Strasse aufgegriffen und interniert würden. Auch Frauen, die meist kein Griechisch sprächen, blieben hilflos zurück.

Eine Anfrage bei den zuständigen Behörden, wie man auf diese Problematik zu reagieren gedenke, blieb bis heute unbeantwortet. Ebenso die Frage, ob man den Schutz der Internierten des Abschiebelagers in Paranesti im Nordosten des Landes garantieren könne. In dem Dorf wurde praktisch über Nacht eine verlassene Militärkaserne zum Internierungslager erklärt und wurden am letzten Septemberwochenende die ersten Migranten und Flüchtlinge dorthin gebracht. Am 1. Oktober kam es zu wüsten Ausschreitungen von Einwohnern und Rechtsextremen der Umgebung. Die wütenden Demonstranten versuchten, das Kasernengelände zu stürmen. Die aus Thessaloniki beorderte Sonderpolizei setzte Tränengas ein.

Im Nordosten Griechenlands lebt zudem auch die autochthone muslimische Bevölkerung. In Dörfern mit gemischter christlicher und muslimischer Bevölkerung sei es zu Einschüchterungen durch Rechtsextreme gekommen, sagt die Redaktorin Eleni Diafonidou der Lokalzeitung «Embros in Xanthi». Kürzlich wurde ein muslimischer Lehrer, der Mitglied der antirassistischen Bewegung «Schafft den Rassismus ab» in Xanthi ist, von Rechtsextremisten zusammengeschlagen.

Hoffnungsschimmer

Doch es gibt auch ein wenig Hoffnung. Ende September fand in Athen ein antirassistisches Fest statt, das unter anderem von der Bewegung «Schafft den Rassismus ab» organisiert wurde. Dort schilderten die Lehrerin Anna Zogaki und ein Schüler von der «Initiative gegen Faschismus und rassistische Gewalt Kallithea», wie sich die Mitglieder gegen braunes Gedankengut zur Wehr setzten. Im Athener Stadtteil Kallithea war es seit dem Frühjahr 2011 vermehrt zu rassistischen Übergriffen gekommen, Gebetsräume von Muslimen wurden angezündet, die Übergriffe hatten sich im Winter verschärft, vor allem Ägypter wurden angegriffen. Durch Aufklärungsarbeit und Präsenz gelang es den Mitgliedern der Initiative, die Rechtsextremen aus Kallithea zu verdrängen. Solchen Mut und Einsatz wünscht man sich auch von den Politikern des Landes.

Quelle: http://www.nzz.ch/aktuell/international/griechenlands-schande-1.17699383

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